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GRÖSSERES BILD
Phot. Wiele & Klein.
Abb. 118. Darbringen von Opfergaben vor dem Geiste Guru.
Im Vordergrunde Musikanten und ein Knabe mit aus die Stirn gemaltem Sektenabzeichen.
Die Vadafischer an der Ostküste errichten am Strande Miniaturschreine aus Ton oder Backsteinen, die nach der See zu offen sind ([Abb. 123]). In ihnen stellen sie die Lehmfiguren der Götter auf, die von ihnen angebetet werden, bevor sie einen Fischzug unternehmen, oder auch Holzfiguren von verstorbenen Verwandten. Die Namen ihrer Götter, einschließlich einer Göttin mit tausend Augen, die durch einen durchlöcherten Topf mit einem Öllicht in seinem Innern dargestellt wird, und eines Bengali Bābu genannten Gottes, der einen Hut trägt und auf einem schwarzen Pferde reitet ([Abb. 112]), sind unzählig. Letzterer steht in dem Rufe, die Fischer auf der See gegen Gefahren zu schützen und ihnen zu großen Fischzügen zu verhelfen. Die Hauptgöttin der Vada scheint indessen Orosundiamma zu sein, die nachts auf dem Meere in einem Boote umherfahren soll. Man huldigt ihr, indem man denjenigen, der die Zeremonie vorzunehmen hat, mit einer Ziege an einem Pfosten vor dem Hause festbindet und ein Spielzeugboot davorstellt. Die Ziege, der Pfosten, das kleine Boot und der Schrein für das Götzenbild werden darauf an die See gebracht und vor dem Schrein Andachten verrichtet. Kriecht die Ziege dabei auf allen vieren entlang und zittert sie, dann opfert man sie; tut sie dies aber nicht, dann erblickt man darin eine üble Vorbedeutung und beschafft sich eine andere Ziege an ihrer Stelle.
In manchen Dörfern mit einem bleibenden Schrein werden den Gottheiten täglich Reis, Früchte und Blumen mit Weihrauch und Kampfer dargebracht, an anderen wieder nur alle Jahre oder an einem bestimmten Tage, ausgenommen zu Zeiten einer Epidemie, in denen man sofort die Götter durch Opfer zu versöhnen sucht. Auch bei Beginn der Bestellung des Ackers, sowie zur Erntezeit werden Festlichkeiten zu Ehren der Götter veranstaltet. Bei eintretender Dürre werden an den Regengott Gebete gerichtet, und an manchen Orten wird eine Lehm- oder Strohfigur mit den Füßen nach vorn durchs Dorf gezerrt und von den Totengräbern in regelrechter Weise begraben. In Südkanara werden, ehe die zweite Saat in die Erde kommt, Büffeljagden, denen „Teufelstänzer“ beiwohnen, auf einem tiefverschlammten Reisfelde abgehalten; am Tage darauf finden große Hahnenkämpfe auf einem freien Platze vor dem Dorfe statt, dieses alles in der Absicht, die verschiedenen Teufel zu versöhnen. — Unter den sportlichen Tierkämpfen spielen die Kämpfe zwischen Elefanten eine hervorragende Rolle ([Abb. 132]).
Phot. Wiele & Klein.
Abb. 119. Büffelopfer zur Besänftigung einer erzürnten Gottheit.