einer heiligen Stadt an der Stelle, wo der Ganges von den Bergen kommt. Alle elf Jahre, wenn der Planet Jupiter im Zeichen des Wassermanns steht, findet hier eine Messe statt, bei der annähernd zwei Millionen Pilger zum Baden zusammenströmen.
Phot. Fleet Agency.
Abb. 183. Eine Parsendame bei der Andacht vor der alles reinigenden Flamme.
Die Feste der Mohammedaner kennzeichnen sich sowohl in Indien wie auch anderwärts durch die Eigentümlichkeit, daß sie auf kein festes Datum nach unserer Zeitrechnung fallen, sondern, da die religiösen Übungen ([Abb. 189]) des Islam sich auf dem Mondjahr aufbauen, das um zehn Tage kürzer als unser Sonnenjahr ist, jedesmal früher stattfinden, so daß innerhalb sechsunddreißig Jahren sie allmählich alle Jahreszeiten durchlaufen haben. Das bedeutendste ist das Mohurrum ([Abb. 191] bis [195]) zur Erinnerung an den Tod oder, wie man lieber sagt, an das Martyrium der beiden Enkelsöhne Mohammeds, Hassan und Husain, die zwar zu verschiedenen Zeiten, aber unter auffallend tragischen Umständen ermordet wurden. Es dauert zehn Tage und ist in der Hauptsache ein Fest der Schiitensekte, wenngleich auch strenggläubige Sunniten sich am letzten Tage daran beteiligen, um die Schöpfung der Welt zu feiern. Dieses Fest gibt Anlaß zu mächtigen Volksansammlungen und großen Umzügen, bei denen allerlei Pferdespiele stattfinden. Im Vordergrunde des Ganzen steht für die strenggläubigen Islamanhänger das Einhertragen des Tabūt ([Abb. 194]) oder Tazia, des großartig illuminierten und verzierten Modells der Grabstätten der beiden Heiligen, in großer Prozession nach einem freien Platz unter Begleitung von Tänzern, die ihre kämpfenden, zu Märtyrern gemachten Verwandten vertreten, während die abergläubische Masse beider Religionen an den Mohurrumfeuern, die dabei angezündet werden, sein Hauptvergnügen hat. Sie brennen in Gruben während des ganzen Festes, sogar die Ärmsten leisten sie sich; Vorübergehende legen Gelübde bei ihnen ab, und die große Menge tanzt die Nächte um sie herum, springt durch die Flammen und streut brennende Scheite umher. Ein zweites Fest, das heutzutage zu allerhand Volksbelustigungen Anlaß gibt, im besonderen zum Abbrennen von Feuerwerk, ist das Shab-i-barat; es wurde als eine Nacht des Gebets begründet, in der die Gläubigen die ganze Nacht hindurch wachen sollten. — Das bekannteste mohammedanische Fest ist der Ramasan oder der „Fastenmonat“. Er dauert von Neumond bis zu Neumond und wird von den indischen Anhängern des Islam oft mit staunenswerter Treue innegehalten, auch in den Jahren, wo er in die heißeste Jahreszeit fällt, trotz der großen Entsagungen, die dann das tägliche Fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang mit sich bringt. Denn während dieser Zeit darf der Mohammedaner weder etwas essen noch trinken. Der Ramasan endigt mit dem „Fest des Fastenbrechens“ (Idu’l-fitr), bei dem alles wieder aufatmet und sich dem Vergnügen in vollen Zügen hingibt. Bestimmte Zeremonien werden dabei nicht beobachtet, die Familien putzen sich einfach festlich aus, amüsieren sich nach Kräften, besuchen einander und tun alles nur Erdenkliche hinsichtlich der Unterhaltung und Lustbarkeit. — Einen weiteren wichtigen Anlaß für eine allgemeine Freude gibt das Idu’l-Azha oder Bakrid ab, auch einfach nur Id, das heißt das Fest im besonderen genannt. Es wird zur Erinnerung an das Opfer gefeiert, das Abraham mit seinem Sohne Ismael darbrachte. (Die Mohammedaner haben die biblische Erzählung von Isaaks Opferung auf Ismael, den Sohn Abrahams von der Hagar, übertragen.) An Stelle des Menschen tritt bei diesem Fest natürlich Vieh (im besonderen Ziegen).
Phot. Sohanlal Bros.
Abb. 184. Ausgeputzte Teilnehmer am Holifest.
Der auf einem Löwen reitende Knabe in der Mitte soll die große Göttin Dewi vorstellen, deren Kult mit dem Feste verquickt ist.