„Das ist die meinige nicht!“ sprach der Zimmermann ganz gelassen. — Der Geist tauchte von neuem unter und langte eine silberne hervor.
„Auch diese gehört mir nicht!“ sprach der Arme und zum dritten Male langte der Flußgott eine Axt von Eisen mit einem hölzernen Stiele heraus. —
„Das ist die rechte! das ist sie!“ rief der Arbeitsmann fröhlich.
„Gut! Ich sehe, du bist eben so wahrhaft und ehrlich, als arm“, sprach der mitleidige Geist. „Zur Belohnung nimm alle drei mit.“
Die Geschichte ward bald in der ganzen Gegend ruchbar. Ein Schalk, der sie erfahren, nahm sich vor zu versuchen, ob auch gegen ihn der Flußgott so mildtätig sein würde. Er ließ seine Axt mit Willen in den Strom fallen, flehte zum Flußgott und hatte das Vergnügen, ihn aufsteigen zu sehen. Er klagte ihm seinen Verlust, und der Geist brachte, wie ehemals, eine goldene hervor.
„Ist sie das, mein Sohn?“
„Ja, ja, das ist sie!“ antwortete der Lügner und griff schon darnach. „Halt, Nichtswürdiger!“ erschallte nun die Stimme des erzürnten Geistes. „Glaubst du denjenigen zu hintergehen, der bis ins Innere deines Herzens blicken kann? Zur Strafe deines Lugs und Betrugs verliere auch dasjenige, was bisher dein war!“ Und ohne Axt mußte er nach Hause wandern.
G. Meißner.