„Wozu habt ihr denn so viel Geld notwendig?“ fragte der Bauer. „Seht,“ sagten sie, „wir haben zu Hause einen jüngeren Bruder, der bereits vierzehn Jahre alt ist. Ein geschickter Wagner will ihn in die Lehre nehmen, verlangt aber durchaus zehn Taler Lehrgeld. So viel Geld aber weiß unser alter Vater nicht aufzubringen. Da haben wir zwei ältere Brüder uns denn verabredet, dieses Geld zu verdienen.“

„Nun wohl,“ sagte der Bauer, „wegen eurer brüderlichen Liebe will ich euch zehn Taler geben, wenn ihr so fleißig arbeitet, daß ich damit zufrieden sein kann.“

Die beiden Brüder arbeiteten an den heißen Erntetagen unermüdet im Schweiße ihres Angesichtes; sie waren morgens am frühesten auf und legten sich abends am spätesten zur Ruhe.

Als die Ernte glücklich eingebracht war, bezahlte der Bauer ihnen die zehn Taler und sprach: „Ihr habt euern Lohn redlich verdient und da gebe ich jedem von euch noch einen Taler darüber.“

Wenn Geschwister einig leben, treulich sich zu helfen streben — kann es etwas Schönr'es geben?

Chr. v. Schmid.