So war Adolf, für den die Straßen früher nur dagewesen waren, um als vergnügungssüchtiger Reisender darauf herumzurutschen, ein Bahnmacher und Straßenarbeiter für andere. Mit der Zeit aber gelangte er auch zur Stelle eines Aufsehers bei dem Straßenbau und erfreute sich in dem Gedanken, daß von seinem Dasein auf der Welt noch andere Spuren hinterblieben als die bloßen Kreuze auf dem Gelde, das ihm durch die Hand gegangen war. Lange Zeit hatte er den Dukaten als Andenken aufbewahrt, bis er endlich eingesehen, daß auch dieser nicht ruhen darf in dem großen Weltverkehre, und er schenkte ihn einer Witwe, deren Mann beim Straßenbau verunglückt war.

Berthold Auerbach.


[Der Solnhofer Knabe.]

An der Altmühl, ungefähr eine Viertelstunde unterhalb Solnhofen, ist eine Glashütte im Gang. Das Holz zu den Öfen kann leicht über die jähen Bergwände herabgelassen werden und der reine, zuckerweiße Sand findet sich da und dort in Nestern unter dem Rasen.

Ehe man anfing, diesen Sand in Glas zu verwandeln, bestreuten oder fegten schon die Hausfrauen in der Umgegend ihre Stubenböden, Tische, Bänke, hölzernen Geschirre usw. damit und kauften ihn von Weibern, die ihn bei Solnhofen gruben und in kleinen Säckchen zum Verkauf in die umliegenden Orte trugen.

In der ältesten Zeit befaßte sich eine Zeitlang nur ein einziges Weib mit diesem beschwerlichen Handel, bei welchem sie oft über fünfzig Pfund auf dem Rücken aus- und nur ein paar Heller in der Tasche dafür heimtrug. Es war eine Witwe in mittlerem Alter. Sie hatte einen zwölfjährigen Knaben, der im Sommer die Ziegen des Ortes hütete und im Winter mit seiner Mutter in den unterirdischen Felsklüften Sandnester aufsuchte und ausbeutete, wenn man vor Schnee und Eis in den Boden kommen konnte.