Der Bischof hielt Wort. Nachdem Benedikt bei einem Meister Steinmetz in Eichstätt in der Lehre gewesen war, ließ er sich in Solnhofen nieder und hatte fortwährend so viele Bestellungen an Pflaster- und Quadersteinen, daß es ihm und seiner Mutter nie mehr an dem täglichen Brot fehlte.
Karl Stöber.
[Hans Lustig.]
Hans Lustig war armer Leute Kind, sein Vater war Schuhflicker, seine Mutter Wäscherin. Er war ein kleiner breitschulteriger Junge, etwa zwölf Jahre alt. Jeder, der ihn ansah, hatte seine Freude an dem munteren Knaben; denn wie aus seinen dürftigen Kleidern ein kräftiger, gesunder Körper, ein Paar braune, feste Arme hervorguckten, so schaute aus seinen Gesichtszügen ein frischer lustiger Sinn hervor, so daß er seinen Namen nicht umsonst führte. Hans hatte von frühauf zu tun: für den Vater die Schuhe und Stiefel auszutragen, der Mutter die Wäsche zu hüten und allerlei Einkäufe für die kleine Wirtschaft zu besorgen. Die ganze Straße kannte den lustigen Buben, und weil er jeden so freundlich anlachte, suchten die Leute auch ihm allerlei Freude zu machen. Der Bäcker schenkte ihm oft einige Fastenbrezeln, die Kunden seines Vaters allerlei Kleidungsstücke oder irgend ein Spielzeug, und selbst manche blanke Kupfermünze brachte er seiner Mutter nach Hause, die sie in einer tönernen Sparbüchse verwahrte. Auch bei allen Kindern in der Nachbarschaft wurde der Hans bald beliebt. Als er älter wurde, war er bei allen Spielen der erste und wußte immer was Neues anzugeben. Alle Spiele gingen gut, wenn Hans dabei war. Da gab's niemals Zank und Streit; zankten sich wirklich zwei Kinder einmal, fuhr mein Hans dazwischen, machte jedem ein närrisches Gesicht, und alles mußte lachen.
Allmählich kam die Zeit heran, wo Hans ein Handwerk lernen sollte, und da er nach des Vaters Meinung zum Schuster nicht besonders geeignet war, so sollte er das Handwerk des Herrn Paten erlernen, der ein braver Schornsteinfegermeister und bei allen Leuten in der Nachbarschaft sehr angesehen war. Hans gefiel das Ding auch gar nicht übel. Mutig und gewandt schlüpfte er oben an den höchsten Häusern zu den Schornsteinen heraus; er wußte nichts von Schwindel, machte allerlei possierliche Faxen mit seinem Besen und sein russiges Gesicht lachte hinein in den blauen Himmel und hinab über die Stadt; dabei sang er wie ein Vogel auf dem Wipfel des Baumes.
Die Erwachsenen hatten Hans Lustig lieb und die Kinder auch, trotzdem er Schornsteinfeger war. Wollte man die Kinder mit dem Feuerrüpel zu fürchten machen, lachten sie; sie wußten ja, daß der Feuerrüpel niemand anders war als der Hans Lustig, der keinem etwas zuleide tat, im Gegenteil allzeit freundlich und gut war, und manche Kinder hatten sogar den Mut, ihm eine Patschhand in seine berußte Rechte zu geben.