Die Chemnitzer Volkshochschule hat diesen Vorschlag des Verfassers aufgegriffen und sucht durch Aufführungen für den Gedanken zu werben. Es lag nahe, ein Stück zu schreiben, in dem in eine erzgebirgische Stube die Engelschar tritt, ähnlich, wie es Hermann Löscher in seinem »Bornkindel« tut. Dankbar sei anerkannt, daß er damit auf das alte Volksgut eindruckvollst hinweist. Wir wollen aber doch mehr, als nur Theater. Wie die Christspieler in die größte Stube des Dorfes kamen, so kommen sie jetzt in den Saal; in banger Erwartung der Engelschar sitzen die Hörer, da – da ertönt Gesang, die Engelschar kommt zu ihnen, nicht zu den Personen eines Bühnenstückes. Wir wollen nicht Zuschauer, sondern Miterleber haben.
Nun muß mit dem Publikum gerechnet werden. Ein Moment fehlt unseren Spielen fast völlig: das der Spannung. Den Hörern sind die Vorgänge alle vertraut. Das »Was« wird sie darum weniger interessieren, als das »Wie«. Dabei darf man das Kostümliche nicht zu gering achten. Alle Volkskunst, sie mag sein, welche sie will, braucht die Farbe, ohne sie ist die Volkskunst unfroh, ledern. Darum sei man nicht zu ängstlich mit der Kleidung der Spielenden, wenn sie sich recht sehr dem Historischen nähern, ist es durchaus kein Fehler.
Für die Ausgestaltung der Bühne gibt es verschiedene Möglichkeiten. Daß sie so einfach wie möglich sein möchte, ist ein Gebot der Notwendigkeit. Am eindrucksvollsten wirkt die einfache Vorhangbühne. Dunkle Gardinen geben den besten Hintergrund für die farbenfrohen Gestalten des Spiels. Der Stall fällt weg, es genügt eine einfache Krippe. Die Krippenszene sei nur von der Stallaterne Josefs erleuchtet.
Eine andere Auffassung ging dahin, die Bühne mehr dekorativ auszugestalten. Vorbild dafür waren die Weihnachtskrippen unserer Gebirgsstuben. Ein großer Prospekt mit Aussicht auf Jerusalem oder Bethlehem schließt die Bühne nach hinten ab. Vor diesem spielen sich die Szenen ab, die im Freien spielen. Der Felsen des Engels kann durch eine mit geknittertem Packpapier benagelte Kiste leicht hergestellt werden.
Für die Stallszenen wird aus Latten und Brettern ein Gerüst errichtet; nicht zu groß, nur eine Hinterwand, eine Seitenwand, ein Dach mit Stroh bedeckt. Die eine Seitenwand bleibt weg, wegen der verschiedenen Anbetungen des Kindleins. Die Wände werden nicht völlig vernagelt, sodaß überall zu Lücken und Spalten Engel hineinsehen können.
Die Mitte der Bühne wird durch einen Vorhang abgeteilt. Vor diesem spielen sich alle Innenszenen ab, so die Verkündigung an Maria und die Herodesszenen. Die Vorderbühne wird durch den Hauptvorhang abgeschlossen.
Unter allen Umständen lasse man sowohl die Engelschar, als auch die Königschar durch den Saal nach der Bühne ziehen, vor die ein Treppenaufgang gebaut wird. Die Vorhänge möchten geteilt sein.
Die Spieler sollen natürlich sprechen, zu viel Pathos schädigt; vom Erhabenen zum Lächerlichen ist bekanntlich nur ein Schritt.