Einen schönen guten Abend, ihr lieben Leut (Kindelein[18])
der heilge Christ läßt euch grüßen,
was ihm zu tun befohlen ist,
wird allzeit sein beflissen;
indem er fährt auf in seinem Paradeis
und angestellet hat auf Erden seine Reis.
Heut ist der Tag, da läßt er seine Schellen klingen.
(Ruprecht läßt hinter der Szene seine Schellen klingen.)
Er wird euch viel Geschenk und Gaben mit sich bringen,
wenn ihrs zufrieden seid, so führ ich ihn herein,
doch dürft ihr aber nicht zu sehr erschrocken sein.
Denn wer fein fromm gewesen ist,
den wird er freundlich loben.
Komm immer, komm herein, du heilger Christ von oben.
Die Engel stellen sich rechts und links vor die Rampe, sie bilden den Abschluß der im Halbkreis aufgestellten Engelschar. Die Engelschar tritt unter den Klängen der böhmischen Kinderweise gemessenen Schrittes ein. Sie umwandelt einmal die Bühne und stellt sich dann, im Mittelpunkt der heilige Christ, im Halbkreis auf.
Der heilge Christ.
Wohlan, ihr Kinderlein, wie habt ihr euch verhalten?
Habt ihr auch respektiert die Lehrer und die Alten?
Die Eltern auch geliebt, mit Willen nie betrübt,
was sie befohlen euch, und sie erzürnet nicht?
Erschrecket nicht vor mir und meiner Majestat!
Examiniere du, Martin, an meiner Statt.
Martin.
Ach Herr, wie soll ich denn vor dir examinieren?
Du weißt ja selbst, wie oft die Engel Klage führen,
daß man allhier unter dem zehnten Kind
in manchem Haus ja nicht ein frommes findt.
Der Mutwill ist zu groß, die Bosheit nicht zu sagen,
indem ja in der Schul auch ihre Lehrer klagen,
indem sie auch zu Haus gar selten fromm sein,
wie ich hab itzt gehört von diesem Engelein.
Der heilge Christ.
Ei, ei, das ist nicht fein, daß ich jetzt Klag muß hörn!
ich dürfte mich hinfort von euch gen Himmel kehren.
Mich reuets jetzt, daß wir in dieser kalten Nacht
bis her an diesem Ort uns haben aufgemacht.
Drum, Niklaus, sags dem Knecht, wir wolln von hinnen fahren
und wollen unsre Schätz auf fromme Kinder sparen.