8. Das Spiel vom Kindermord.

Vordere Bühne. Thronsessel. Herodes.

Herodes.

O weih! o weih! alles Unglück auf mich herabbricht,
Und da ich saß auf meinem Thron
ein süßer Schlaf, der kam mir an.
Kaum tat ich meine Augen zu,
da kam ein Löw (b) in meine Ruh
und stürzte mich von meinem Thron
und riß von meinem Haupt herab die Kron.
Mein ganz Gemüte in mir ergrimmt,
daß mir fast das Herz im Leib zerspringt;
dieweil ich nunmehr sehe an,
daß mich die Weisen betrogen han.
Auf, Kriegsknecht, rüste dich,
hau und brenne, töt und stich,
und laß dein Schwert den Kindern blutig wetzen
und tu mir nicht ein einzigs auf die Seite setzen
Wirst du das tun,
so wird meine Kron auf festem Grunde ruhn.

Laban.

Ganz gehorsam, ihr Königliche Majestät,
was Sie mir anbefohlen haben, soll alsbald
in Werk gerichtet werden.
Denn weil er mirs hat anbefohlen, so will
ich auch kein Kind verschonen.
Ei, so will ich hinaus,
will ziehen meinen Säbel heraus,
will durchziehen durch das ganze jüdische Land
will alle Knaben von 1 bis 2 Jahre töten.
Was drunter ist, soll keins am Leben bleiben,
und wenn die Eltern täten Blut weinen!

(Ab.)

Herodes ist auf seinen Sessel gesunken. Die Bühne wird finster.