Beim Hinausgehen spricht Ruprecht noch:

Ich wünsche euch viel tausend guten Morgen,
Der Himmel mag für euch und eure Jungfern sorgen.

Im Anschluß an die Wiedergabe des Spiels gedenkt Mosen noch des »alten Oeser«, der nicht allein die Niederschrift der Neudorfer Engelschar ermöglichte, sondern durch seine Erzählungen den Gelehrten überhaupt veranlaßte, im Erzgebirge nach solchen Spielen zu suchen. Die Frucht dieser Studien, das fortwährend erwähnte Mosensche Buch, ist die hauptsächlichste Fundgrube für dies alte Volksgut, deshalb möchten alle, die überhaupt an solcher Volksdichtung Freude haben, sich des »alten Oeser« und des liebenswürdigen Gustav Mosen gern erinnern.

Das Lengefelder Spiel.

Das Mosensche Buch hat vielleicht auch den, um die Erforschung des geistigen Lebens unserer Erzgebirgler, hochverdienten Dr. Alfred Müller in Auerbach zu seinen Forschungen veranlaßt. Die hauptsächlichste Frucht seiner Studien ist meiner Meinung nach die Aufzeichnung des sogenannten Lengefelder Spiels, das auch in Marienberg zu Haus gewesen sein soll. Es ist zuerst veröffentlicht in dem Aufsatze »Ein altertümlicher Christumzug« von Dr. Alfred Müller in Nr. 12, Jahrgang 19 des Glückauf. Hier treten außer den gewohnten Personen auch noch Moses und der Tod auf. Den Beginn bildet das Hirtenspiel.

Die beiden Hirten klagen über die große Kälte und ihre erbärmliche Lage:

»Wenn Kieselstä Toler wärn
un Dukaten in dr Mistpfütz lägn«

wollte sich Märten eine neue Pelzmütze kaufen, und Daniel klagt gar über den Geiz seiner Frau. In diese sehr profanen Erörterungen tritt plötzlich ein Engel:

»Gelobet seist du Jesus Christ,
der du Mensch geboren bist!
Und wie es schon vorher bekannt,
die Hirten waren von Gott gesandt,
zu verkündigen das, was geschehn!
Zu Davids Stadt in Bethlehem
der heilge Christ geboren ist;
des soll sich freuen ein jeder Christ.
Er bringt mit sich viel schöne Gaben
für Mädchen und für junge Knaben.
Ich soll nun bereiten den neuen Thron;
drauf soll er sich setzen mit seiner Ehrenkron,
komm rein du schöner heilger Christ,
weil dir schon alles bereitet ist.«
Stimmt ein, ihr lieben Engelein,
lobt Gott und singet fein.