Er blickte sich um und bemerkte gerade vor sich die Höhle eines Murmeltiers. Der Rabe blieb vor der Höhle auf der Lauer stehen und bald kam das Murmeltier mit etwas Nahrung zurück. Da es den Raben gerade vor seiner Tür stehen sah, forderte es ihn auf, Platz zu machen; der Rabe wollte aber nicht und sagte: »Man schimpft mich Aasfresser und ich werde beweisen, daß ich das nicht bin und jetzt dich fressen.« Darauf antwortete das Murmeltier: »Gut; ich habe aber gehört, daß du ein sehr guter Tänzer seist; tanze jetzt, wenn du willst, ich werde dazu singen und dann magst du mich verspeisen. Bevor ich aber sterbe, will ich dich tanzen sehen.« Das gefiel dem Raben so sehr, daß er einwilligte zu tanzen und das Murmeltier sang also: »O Rabe, Rabe, Rabe, wie gut du tanzt! O Rabe, Rabe, Rabe, wie gut du tanzt!« Dann hörten sie auf, um auszuruhen und das Murmeltier sagte: »Dein Tanz gefällt mir so gut, ich will noch eins singen, du mach aber deine Augen zu und tanze deinen besten Tanz.« Der Rabe schloß seine Augen und hüpfte ungeschickt herum, während das Murmeltier sang: »O Rabe, Rabe, Rabe, was für ein reizender Tänzer bist du! O Rabe, Rabe, Rabe, was für ein reizender Tänzer bist du!« Dann huschte das Murmeltier rasch zwischen den Beinen des Raben durch und war in seiner Höhle geborgen. Sowie das Murmeltier aber in Sicherheit war, steckte es die Nasenspitze heraus und sagte spöttisch lachend: »Chi-kik-kik, Chi-kik-kik, Chi-kik-kik: du bist doch der größte Dummkopf, den ich je gesehen habe; was du für eine komische Figur beim tanzen machst; ich konnte mich kaum halten vor Lachen; schau mich nur an, schau, wie fett ich bin! Möchtest du mich nicht gern auffressen?« und es hänselte den Raben so lang, bis er aus lauter Wut weit wegflog.

[Entstehung des Raben]

Der Rabe war ein Mann, der, als die Leute sich vorbereiteten eine andere Gegend aufzusuchen und dazu die Habseligkeiten ihres Haushaltes zusammenkramten, zu diesen sagte, sie hätten die Unterdecken aus Hirschfellen, die man zum Bett braucht, vergessen. So ein Fell heißt in der Eskimosprache »Kak«. Der Mann brauchte das Wort nun so oft, daß sie ihm sagten, er werde das noch selbst werden. Er machte solchen Lärm, daß er in einen Raben verwandelt wurde und nun gebraucht er diesen Laut, um sich bemerkbar zu machen. Gerade an dem Tag, als das Lager abgebrochen wurde, flog der Rabe auf und krächzte »Kak! Kak!« oder mit anderen Worten: »Vergeßt nicht die Bettdecken!«

[Der Rabe und die Möve]

Vor langer Zeit kam einmal ein Jäger zum Haus des Raben. Als er eintrat, sah er da einen alten Mann; der sagte zu ihm: »Kak! sicherlich bist du hungrig. Wir sind alle hungrig, wenn wir von zu Hause wegwandern.« Dann befahl er einem Knaben etwas Menschenfleisch hereinzubringen. Der Knabe brachte es. Der Alte schnitt ein Stück ab und gab es dem Jäger. Der sagte aber: »Ich mag diese Art von Fleisch nicht« worauf der alte Mann erwiderte: »Gib es mir, ich kann es schon essen.« Nachdem er es aufgegessen, sagte er zum Knaben: »Bring etwas Walhaut herein.« Was der brachte, war aber in Wirklichkeit Vogelmist. Er gab es dem Eskimo, der erklärte, das könne er nicht essen. »Gib es mir«, sagte der Alte, »ich kann es essen.« Dann hieß er den Knaben Walbeine bringen. Er bot das dem Eskimo an, der wieder erklärte, er könne das nicht essen. Der Alte sagte wieder: »Ich kann es essen, gib es mir.« Nachdem er es aber verzehrt hatte, sagte er: »Mein Magen tut mir weh« und spie alles, was er gegessen hatte, aus.

Nicht weit von da war das Haus einer Möve. Der Jäger wurde eingeladen, einzutreten. Er ging hinein und die Möve gab ihm getrocknete Fische, die er sehr zufrieden verzehrte. Dann verließ er sie, ging nach Hause und erzählte, wie ihn die Vögel bewirtet hatten.

[Entstehung der Möven]