Eine Frau, die ihren Mann verloren hatte, lebte bei Fremden. Als diese ihren Wohnort verlegen wollten, entschlossen sie sich, nach einer Landspitze in einiger Entfernung zu reisen. Die Frau, die von ihrer Mildtätigkeit abhängig war, wurde ihnen zur Last und sie wollten sie los werden. Sie schafften nun alle ihre Habe ins Familienboot und als sie unterwegs waren, ergriffen sie die Frau und warfen sie über Bord. Die strengte sich nun an, wieder ins Boot zu kommen und wie sie es ergriff, schnitten die anderen ihr die Finger ab. Die fielen ins Wasser und verwandelten sich in Seehunde, Walrosse, Walfische und Eisbären. Die Frau verschrie in ihrer Verzweiflung deren Los, um sich für die an ihr begangene Grausamkeit zu rächen. Der Daumen wurde ein Walroß, der Zeigefinger ein Seehund und der Mittelfinger ein Eisbär. Wenn die ersten zwei dieser Tiere einen Mann sehen, so suchen sie zu entfliehen, damit ihnen nicht geschehe wie der Frau.
Der Eisbär lebt sowohl an Land, wie im Wasser, aber wenn er einen Mann bemerkt, fällt ihn die Rachsucht an und er sucht ihn umzubringen, denn er glaubt, daß jener die Frau, aus deren Finger er entstanden, verstümmelt hat.
[Sonne, Mond und Sterne]
Als die Erde noch in Dunkel gehüllt war, wurde ein Mädchen allnächtlich von jemandem, den sie nicht erkennen konnte, besucht. Sie bemühte sich festzustellen, wer das gewesen sein könnte; dazu mischte sie Ruß und Tran und bemalte damit ihre Brust. Darauf entdeckte sie zu ihrem Schreck, daß ihr Bruder einen Rußkreis um seinen Mund hatte. Sie machte ihm Vorwürfe, er leugnete aber alles ab. Vater und Mutter wurden aber sehr zornig und schimpften so heftig, daß der Bruder in den Himmel rannte, um der Schwester zu entkommen; die aber lief ihm nach. Der Bruder wurde in den Mond verwandelt, das Mädchen aber, das sonst das Feuer bohrte, wurde die Sonne. Die Funken, die vom Feuer stoben, wurden die Sterne. Die Sonne verfolgt immer den Mond, der sich im Dunkeln hält, um nicht entdeckt zu werden. Bei einer gegenseitigen Verfinsterung haben sie sich scheinbar getroffen.
[Sonne und Mond]
In einem Dorf lebte eine Frau ganz allein in einer Hütte. Eines Abends, als die Leute im Tanzhaus versammelt waren, ging ein Mann zu der Frau und löschte ihre Lampen aus. Nachher kam er jede Nacht, zur Zeit als die Leute im Tanzhaus waren. Die Frau wollte erfahren, wer er sei. Sie fragte ihn oft, aber er nannte seinen Namen nicht, noch gab er einen Laut von sich. Da sie ihn nicht zum Sprechen bringen konnte, nahm sie zu einer List ihre Zuflucht. Eines Tages, nachdem er gekommen war, rieb sie ihre Finger auf dem Boden einer ihrer Töpfe und dann über die linke Seite seines Gesichts. Nach einer Weile verließ er sie. Sie folgte ihm gleich und als sie aus dem Hause kam, hörte sie ein großes Gelächter im Tanzhaus. Sie ging hinein und sah dort, daß die Leute über ihren eigenen Bruder lachten, der die Spuren ihrer Finger in seiner linken Gesichtshälfte trug. Da nahm sie ein Messer, schnitt ihre linke Brust ab und bot sie ihm an mit den Worten: »Iß das!«. Sie hob ein Stück Holz auf, wie man es braucht, um Lampen zu putzen und zündete es an. Er nahm auch einen Kienspan in seine Linke und folgte ihr. Sie ging aus dem Haus, und lief, von ihrem Bruder verfolgt, darum herum. Schließlich fiel letzterer. Die Flamme seines Spans ging aus, während ihrer hell weiter brannte. Sie wurde in den Himmel erhoben und in die Sonne verwandelt. Er wurde der Mond. –