[Die Abstammung der Indianer und Europäer]
Savirgong, ein alter Mann, lebte allein mit seiner Tochter. Sie hieß Niviarsiang (das Mädchen), aber weil sie keinen Mann nehmen wollte, wurde sie auch Uinigumisuitung (die keinen Mann nehmen will) genannt. Alle ihre Liebhaber wies sie ab, aber zuletzt gewann doch ein weiß und rot gefleckter Hund, der Jjirgang gerufen wurde, ihre Neigung und sie nahm ihn zum Gemahl. Sie hatten zehn Kinder; fünf davon waren Adlets (Indianer) und fünf waren Hunde. Der untere Teil des Körpers der Adlets war der eines Hundes und mit Ausnahme der Sohlen ganz behaart; der Oberkörper glich aber dem eines Mannes. Als die Kinder heranwuchsen, wurden sie sehr gefräßig, und da der Hund Jjirgang überhaupt nicht ausging zu jagen, sondern seinen Schwiegervater für die ganze Familie sorgen ließ, wurde es für Savirgong schwierig alle zu füttern. Überdies waren die Kinder sehr unruhig und lärmend, so daß der Großvater ihrer schließlich überdrüssig wurde und die ganze Familie in ein Boot steckte und auf eine Insel führte. Dem Hund Jjirgang trug er auf, jeden Tag die Nahrung holen zu kommen.
Niviarsiang hing ihm ein Paar Stiefel über den Nacken, und er schwamm dann über den schmalen Kanal. Aber Savirgong füllte, statt ihm Essen zu geben, die Stiefel mit schweren Steinen, die Jjirgang ertränkten, als er versuchte zurückzukehren.
Die Tochter sann auf Rache für den Tod ihres Mannes. Sie schickte die jungen Hunde zur Hütte ihres Vaters und hieß sie seine Füße und Hände annagen. Dafür warf wieder Savirgong Niviarsiang, als sie einmal zufällig in seinem Boot war, über Bord und schnitt ihr, als sie sich an den Planken hielt, die Finger ab; wie die ins Wasser fielen, wurden sie in Seehunde und Wale verwandelt. Schließlich erlaubte er ihr aber doch ins Boot zu steigen.
Da sie befürchtete, ihr Vater werde ihre Kinder töten, oder verstümmeln, schickte sie die Adlet ins Binnenland, wo sie dann die Vorfahren eines zahlreichen Volkes wurden. Für die jungen Hunde machte sie ein Boot, steckte zwei Stangen als Maste in die Sohlen ihrer Schuhe und schickte sie über den Ozean. Sie sang dazu: »Angnaija, wenn ihr drüben über dem Ozean ankommt, werdet ihr viele Dinge machen, die euch Freude bereiten, Angnaija!« Sie erreichten das Land jenseits der See und wurden die Ahnen der Europäer.
[Sednamythe]
Auf einer Insel lebte einst ein Eskimo mit seiner Tochter Sedna. Seine Frau war schon vor geraumer Zeit gestorben und die beiden führten ein beschauliches Leben. Sedna wuchs zu einem hübschen Mädchen heran und von überall her kamen Freier, die um ihre Hand anhielten, keiner aber konnte ihr stolzes Herz rühren. Als dann im Frühling das Eis aufbrach, kam ein Eissturmvogel übers Eis geflogen und freite um Sedna, indem er sang: »Komm zu mir! Komm ins Land der Vögel, wo nie Hungersnot herrscht, wo mein Zelt aus den allerschönsten Fellen errichtet ist. Auf weichen Bärenfellen wirst du ruhen, was dein Herz nur begehren mag, werden meine Gefährten, die Eissturmvögel, herbeibringen; ihre Väter werden dich kleiden, deine Lampe wird immer mit Fett gefüllt sein, deine Schüsseln immer mit Speisen!« Solchem Werben konnte Sedna nicht lange widerstehen und sie zogen zusammen über das weite Meer.