Er wurde zum Kaiser geführt; dieser lachte den jungen Menschen aus und sagte: „Auch wenn ich euch zehn Wochen Zeit gebe, das Kunststück gelingt euch doch nicht!“
„Das mag stimmen!“ erwiderte dieser, „und ich glaube selbst, daß nur ein Wunder uns helfen kann, aber vielleicht tritt ein solches Wunder in den zwei Tagen ein!“ Dem Kaiser gefiel diese kecke Antwort. „Gut, so soll es sein! Diese zwei Tage seien euch noch gewährt!“ entschied er.
Der junge Polizist betrachtete sich in der Halle den Beutel ganz genau und prägte sich alles fest ins Gedächtnis; dann eilte er nach Hause und fertigte sich einen ganz gleichen Beutel, den er mit kleinen Steinchen füllte.
Am zweiten Tage nahm er diesen Beutel, steckte ihn in den Ärmel seiner Jacke und ließ sich beim Kaiser melden, dieser empfing ihn und fragte, ob das Wunder schon geschehen sei.
Der Polizist bat hierauf den Kaiser sich den Beutel einmal ansehen zu dürfen, dieser genehmigte es und ging selbst mit zur Halle, wo der Beutel noch immer hing, bewacht von vier Soldaten.
Nachdem er sich den Beutel ein Weilchen von allen Seiten angesehen hatte, fragte er, ob es gestattet sei den Beutel in die Hand zu nehmen. Auch das genehmigte der Kaiser. Der Polizist holte hierauf eine Bank, stellte sich darauf und nahm den Beutel vom Haken, sah ihn sich wieder an und steckte ihn in den Ärmel, indem er sagte:
„Auf diese Weise würde es gehen!“
Der Kaiser erwiderte lachend: „So ginge es wohl, ist aber nicht erlaubt. Der Beutel soll fortgenommen werden, ohne daß es jemand weiß. Hänge ihn also nur ruhig wieder an die Decke und gib zu, daß auch du ihn nicht ausführen kannst!“
Der Andre machte scheinbar ein trauriges Gesicht, zog seufzend den Beutel wieder hervor und hängte ihn auf. Er hatte aber nicht den Beutel mit dem Golde genommen, sondern ihn im Ärmel mit dem von ihm vorbereiteten und mit Steinen gefüllten Beutel vertauscht und diesen aufgehangen, während er den echten Beutel im Ärmel behielt und sich mit diesem entfernte, indem er dem Kaiser versicherte, er hoffe bis zum anderen Morgen doch das Kunststück ausführen zu können.
Der Kaiser ließ daher für diese Nacht die Wache verdoppeln; auch mußte die Halle so hell erleuchtet werden, daß der Beutel stets zu sehen war.