Die Krabbe erzählte ihr die Schandtat des Affen, worüber die Wespe sehr empört war und beschloß den Affen zu bestrafen; sie flog zu einigen anderen Freunden, erzählte denen die Geschichte weiter und hatte es endlich auch soweit gebracht, daß zwei derselben, nämlich ein Ei und ein großer, schwerer Reismörser sich mit ihr einig erklärten den Affen zu bestrafen. Zunächst aber mußte die Krabbe erst wieder gesund werden, weshalb die drei sie aufsuchten und in ihrem Leiden so vortrefflich verpflegten, daß sie bald wieder ganz hergestellt war bis auf eine kleine Lähmung im rechten Vorderbein.

Als nun die Krabbe wieder ausgehen konnte, wurde Kriegsrat gehalten. Die Krabbe, die gutmütig war und mit dem Aufhören der Schmerzen auch keine Rachegedanken mehr hatte, wollte jedoch von einer so strengen Bestrafung, wie das Töten des Affen, das die andern vorschlugen, nichts wissen. Schließlich einigte man sich dahin, daß, wenn der Affe um Verzeihung bitte und verspreche nichts Böses mehr gegen die Krabbe zu unternehmen, ihm verziehen werden solle; wenn nicht, müsse es ihm ans Leben gehen.

Die Wespe erhielt den Auftrag diesen Beschluß dem Affen zu verkünden und ihn aufzufordern, vor dem Hause der Krabbe zu erscheinen, um seine Entschuldigung vorzubringen. Sie flog, sum, sum, in den nicht zu weit entfernten Wald, wo der Affe wohnte, und hatte das Glück ihn anzutreffen. Mit lautem Summen flog sie durchs Fenster ins Zimmer, wo der Affe bei einem Fläschchen Sake[3] hockte[4].

„Was bringt ihr denn Gutes, Frau Wespe?“ fragte er.

„Gutes oder Böses, wie ihr es nehmen wollt!“ entgegnete die Wespe und richtete ihren Auftrag aus. Der Affe lachte: „Eure Drohung verlache ich, wie könnt ihr euch erdreisten mir mit dem Tode zu drohen, da müssen doch erst andre kommen als ihr winzigen Geschöpfe.“ „Seid nur nicht zu übermütig“, sagte die Wespe, „so klein wir sind, haben wir doch unsre Waffen!“

„Prahle nicht, dummes Vieh!“ rief der Affe ärgerlich; aber kaum hatte er das gesagt, so saß ihm die Wespe schon auf der Nase und versetzte ihm einen recht kräftigen Stich. Brüllend vor Schmerz sprang er da auf und schrie: „Ich komme, ich werde kommen!“

„Schön! das war dein Glück! Aber hüte dich vor schlechten Streichen, du entrinnst uns nicht!“ Mit diesen Worten flog die Wespe davon und verkündete ihren Freunden daheim das Resultat ihrer Sendung.

Am andern Tage mußte die Krabbe sich noch krank stellen und sie legte sich auf ihr Lager sich bis zum Kopfe zudeckend, der Mörser stellte sich außen auf einen Vorsprung oberhalb der Tür, das Ei legte sich auf den Herd und die Wespe setzte sich auf den Rand eines Wasserkübels, der in einer dunkeln Ecke stand. So erwarteten alle vier den Affen. Es dauerte auch gar nicht lange, so kam er ganz furchtsam angeschlichen. Seine Nase war infolge des Wespenstiches furchtbar angeschwollen, das sah so komisch aus, daß der Mörser sich vor Lachen schüttelte und fast von seinem Platze gestürzt wäre, wenn er sich nicht schnell festgehalten hätte. Der Affe sah sich sorgfältig nach allen Seiten um; als er aber niemanden erblickte, kam er näher und spähte durch die Tür ins Zimmer, wo er die Krabbe still liegen sah. Nun kehrte sein Mut zurück und er trat keck ins Zimmer und begrüßte mit scheinheiliger Miene die Krabbe, die ganz krank und elend tat und mit leiser Stimme seinen Gruß erwiderte. Sie erwartete, daß der Affe seine Bitte um Verzeihung vorbringen werde; dem war aber sein alter Übermut wieder zurückgekehrt und er dachte gar nicht daran sich zu demütigen, vielmehr erblickte er das Ei auf dem Herde, das er schnell ergriff, indem er höhnisch lächelnd sagte: „Du also bist eins von denen, die mir ans Leben wollen? Das darf nicht ungestraft dahingehen. Deine Frechheit soll jetzt dich das Leben kosten und dabei sollst du mir noch recht schön schmecken, denn Eier esse ich zu gerne!“

„Hüte dich, Affe,“ rief warnend die Krabbe, „du weißt, was deiner wartet, wenn du deine bösen Streiche nicht läßt!“