Daß er dabei nicht sanft verfuhr, kann man sich denken, ebenso, daß der Dachs seinen Schmerz nicht mehr verbeißen konnte und furchtbar zu heulen anfing, als Miso und Pfeffer in seinen Wunden zu wirken begannen.
Er erlitt höllische Schmerzen und schleppte sich mühselig in seinen Bau, wo er unter Weh und Ach auf seinem Lager zusammenbrach. „Hättest du früher gewinselt, ginge es dir heute nicht so schlecht!“ rief ihm der Hase zu, als er ihn verließ, um zu dem alten Manne zu eilen und diesem von der Bestrafung des Bösewichts Mitteilung zu machen.
Der Mann aber, der inzwischen seine Frau begraben hatte, war mit dieser Bestrafung nicht zufrieden, er verlangte den Tod des Dachses als Sühne, denn er befürchtete mit Recht, daß, wenn dieser wieder gesund sei, er noch weitere Rache nehmen würde. Dem Hasen leuchtete dies ein und er machte einen anderen Plan, um den Dachs ums Leben zu bringen: Er baute also zwei Boote, ein kleines aus Holz und ein größeres aus Ton. Nachdem diese fertig waren, besuchte er den Dachs um zu sehen, wie es ihm gehe. Bei diesem war inzwischen die Wunde etwas geheilt, aber er litt furchtbaren Hunger, hatte er doch während seines Krankseins nichts zu sich genommen. Als er den Hasen erblickte, freute er sich, denn er glaubte wirklich, daß ihm die schreckliche Salbe geholfen habe; er bat ihn, doch etwas zum essen zu besorgen. Der Hase aber erwiderte: „Ich habe leider nichts hier, aber im Flusse sah ich einige wundervolle Fische, komm mit, die wollen wir uns fangen.“ Obgleich der Dachs vor Hunger und Schwäche kaum gehen konnte, schleppte er sich doch bis zum Flußufer, wo die beiden Boote lagen. Der Hase fragte: „Welches willst du nehmen?“ „Natürlich das große,“ entschied der Dachs, „ich bin einmal der Vornehmere und dann auch schwerer als du, da würde mich das kleine Boot nicht tragen!“
Damit kletterte er auch schon in das Tonboot, während der Hase, zufrieden mit seiner List, in das kleine hölzerne Boot sprang.
Sie ruderten nun beide bis in die Mitte des Flusses, doch ließ sich kein Fisch sehen, worüber der Dachs recht zornig wurde.
„Dort ist einer!“ rief der Hase plötzlich. Als der Dachs sich umwendete um nach dem Fische zu schauen, da nahm der Hase sein Ruder und tat einen kräftigen Schlag nach dem andern Boote, das natürlich sofort in Stücke sprang. Der Dachs fiel laut aufschreiend ins Wasser und wollte sich durch Schwimmen retten. Aber der Hase war in seinem Boote schnell hinter ihm her und hieb mit dem Ruder auf ihn ein, bei jedem Schlage ausrufend: „Das ist für die ermordete alte Frau, das ist für die ermordete alte Frau!“
So schlug er solange auf den Dachs ein, bis dieser wirklich ganz tot war und von einigen großen Fischen, die gerade vorbeikamen, aufgefressen wurde.
Nun war der Hase fröhlich und guter Dinge, fuhr ans Ufer zurück und eilte zu seinem alten Freunde um ihm die Freudenbotschaft zu bringen.
„Der Dachs ist tot, der Dachs ist tot. Deine Frau ist gerächt!“ rief er schon von weitem und erzählte, im Hause des alten Mannes angekommen, diesem, wie er den Dachs aufs Wasser gelockt, wie er das Boot zerschlagen und endlich den Bösewicht getötet habe, der nachher von den Fischen gefressen wurde. Da wurde der Mann, der bisher immer noch Furcht hatte, daß der Dachs auch ihm und dem Hasen ein Leid zufügen werde, wieder frohen Herzens. Er lud den Hasen ein mit an das Grab seiner Frau zu kommen.
Als beide am Grabe standen, rief der Mann, gleich als wenn seine Frau noch lebe: