Diesen zähmte er sich; er hatte ihn auch bald so weit abgerichtet, daß der Vogel ihn aufsteigen ließ und mit ihm kleine Strecken weit flog.

Als dann der Zeitpunkt kam, da die Vögel sich zur Heimreise anschickten, da packte Wasobiowo eine große Menge von Früchten zusammen, von denen er auf seiner Reise leben wollte; denn sobald er Horaisan verlassen hatte, mußte er wieder an Essen und Trinken denken. Vorher besprach er sich noch mit dem chinesischen Arzte und lud ihn zur Mitreise ein, dieser jedoch erwiderte:

„Ich danke sehr für Ihre liebenswürdige Einladung, aber ich wäre ein Tor, wollte ich dieses vollkommene Leben auf Horaisan mit dem unvollkommenen in Japan oder China oder sonst einem von Menschen bewohnten Lande vertauschen. Reisen Sie glücklich und mögen Sie es nie bereuen, dieses glückselige Land verlassen zu haben, denn die Rückkehr ist schwierig, sogar unmöglich!“

Wasobiowo sagte lächelnd: „Ich hoffe, daß ich meinen Entschluß nie bereuen werde, denn meine Seele findet keinen Gefallen an untätiger Glückseligkeit. Das wahre Glück für mich liegt nicht in ewiger Jugend und Nichtstun, sondern in Arbeit, Schaffen und Streben für andere; habe ich für meine Mitmenschen gewirkt, dann habe ich auch für mich gewirkt!“

Hatte er Recht? Ich glaube es!

Also stieg Wasobiowo auf den Rücken des Kranichs und dieser stieg mit ihm empor zum azurblauen Himmel. Dann ging es über viele unbekannte Länder und Städte, durch das Land der Riesen und der Zwerge, der Einbeiner und der Dreiäugigen und durch viele andere wunderbare Länder; überall hörte und sah Wasobiowo das Leben und Treiben der Bewohner und lernte vielerlei Dinge und Weisheiten.

Endlich aber kam er wieder in Japan an. Alle Leute staunten ihn an, sein Name war fast vergessen, denn nicht weniger als siebenhundert Jahre war er fort gewesen, aber der Aufenthalt auf Horaisan hatte auf seinen Körper solchen Einfluß gehabt, daß es ihm nicht ging wie Urashima, dem Fischer, sondern daß er bei Gesundheit und Kräften war, als wäre er nur wenige Tage abwesend gewesen. Von allen Früchten, die er aus dem Lande des ewigen Glückes mitgenommen hatte, brachte er nur noch eine Orange mit. Diese pflanzte er im Garten und sie trug tausendfältige Frucht und von ihr stammen die heute in Japan wachsenden Orangen.

Wasobiowo lebte noch viele, viele Jahre als weiser und zufriedener Mann und erzählte oft von seinem Aufenthalte auf Horaisan und von seiner Reise auf dem Kranich.

Seinem Angelvergnügen aber blieb er bis ins späte Alter treu und fuhr noch oft des Abends aufs Meer hinaus. Von einer dieser Ausfahrten kehrte er nicht mehr zurück. Sein gekentertes Boot wurde später, auf hoher See treibend, aufgefunden. Von Wasobiowo jedoch war nirgends eine Spur.