Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern herausgegeben

Abgeschlossen am 1. März 1922

Auf Grenzpfaden

Von Curt Sippel, Plauen

Aufnahmen vom Verfasser

Abb. 1 Fallend Laub

Aus der vogtländischen Kreisstadt rollt der Zug elsteraufwärts in den herbstkühlen Sonntagsmorgen hinein. Dichter Reif bedeckt die Flur; aus silbergrauem Nebel dämmert der Tag heran und verspricht ein sonniger zu werden. Je öfter der Zug hält, um so mehr verliert sich die quetschende Enge in den Abteilen, scheiden die festlich geputzten Sonntagsgäste aus und bleiben nur noch die ins Gebirge strebenden schlichten Wanderer, deren liebstes Sonntagsgewand das abgenutzte Lodenkleid mit dem verwitterten Hut ist. Auffallend viel Vertreterinnen des schönen Geschlechts zeigen sich jetzt in dem Äußeren der Wanderzunft. Die früheren Lebensgewohnheiten der Frauenwelt haben in den letzten Jahren eine einschneidende Wandlung erfahren, haben mit den oberflächlichen Vergnügungen gebrochen und sich mehr einer selbständigen natürlichen Einfachheit zugewendet, haben zur Erkenntnis der, der großen herrlichen Heimatnatur innewohnenden Verjüngungskraft geführt. Gibt es für den naturliebenden Städter doch nichts schöneres, als am Sonntag hinauszuwandern, sich so recht zu erfreuen an all dem Reizvollen, das die Natur gerade in dem schönen Bergland des Vogtlandes so überreichlich darbietet. Welch großen Gewinn bringt doch eine solche Tageswanderung für Körper und Geist. Leider ist in dem sich von Tag zu Lag mehrenden Heer der Wanderer die ältere männliche Jugend in der Minderheit. Wenn die jungen Herren auch viel anderen Leibessport treiben, so dürfen sie daneben den vornehmsten, das Wandern, doch nicht vernachlässigen. Aus ihm erwächst Begeisterung für das Edle und Schöne, erglüht Heimatliebe und deutscher Geist.

Abb. 2
Der Kegelberg (755 m) und der Hohe Stein (777 m) bei Erlbach