Abb. 1 Blick vom Kahleberg auf den Geising
Aufnahme von Josef Ostermaier, Dresden-Blasewitz
Immer stärker arbeiten die plutonischen Kräfte. Ganz langsam, aber mit unwiderstehlicher Gewalt drängen sie den Meeresboden wulstig empor, lassen ihn aus dem Wasser auftauchen: Deutschland ist geboren, der einstige Meeresboden, jetzt zu Schiefer- und Sandstein- (»Grauwacken-«) lagern verfestigt, bildet seine erste Grundlage. Und in den flachen Landbuckel dringt von unten vulkanische Hitze nach; sie bringt die Gesteinskruste teilweise zum Schmelzen, zu kristallinischer Umgestaltung. Die Gneismassen, heute das Hauptgestein des Erzgebirges, mögen auf solche Weise unter einer mächtigen Last deckender Schiefergesteine entstanden sein.
Abb. 2 Mordgrund und Sattelberg
Aufnahme von Georg Marschner, Dresden
Die pressenden Kräfte des Erdinnern steigerten sich zu ungeheurer Spannung; sie wirkten nicht nur aufwärts, sondern auch seitwärts schiebend. Die oberste Felskruste zerbrach dabei; das tiefer liegende Gestein aber wurde durch Druck und Hitze weich genug, daß es sich biegen und falten ließ. Und so türmte sich aus mehreren großen und Millionen kleiner Falten ein langgestrecktes Gebirge auf, das von Südfrankreich gegen Mittelsachsen zog und etwa in der Gegend Nossen–Gottleuba umbog in »sudetische« Richtung. Auch vulkanische Massen beteiligten sich am Aufbau: Gesteinsschmelze drang von unten in den sich aufbäumenden Schiefer und erstarrte halbwegs während des Aufsteigens als Granit. Wie hoch jene »mitteldeutschen Alpen« des erdgeschichtlichen Altertums (der »Steinkohlenzeit«) gewesen sein mögen, wir wissen es nicht. Aber eins ist sicher: während in ungezählten Jahrtausenden die plutonischen Kräfte sich mühten, ein Gebirge aufzutürmen, arbeiteten bereits unablässig die Kräfte des Himmels – Sommerhitze und Winterfrost, Regen und Wind, strömendes Wasser und Eis – an seiner Vernichtung.
Sattelberg
Abb. 3 Rumpffläche bei Dittersdorf, links hinten Sattelberg
Aufnahme von Georg Marschner, Dresden
Die Berggipfel, erst ruinenhaft wild zerrissen, nahmen allmählich sanftere Rundung an. Brausende Bergströme trugen die Trümmer zu Tal. Am Gebirgsfuß entstanden weite Schotterflächen, und in ruhigen Talbuchten oder in Mündungsebenen wucherten waldmoorbildend Baumfarne, Schachtelhalme, Siegel- und Schuppenbäume. In einem gleichmäßig warmen Klima lösten die Baumgeschlechter einander rasch ab; ihre modernden Leichen versanken in den Schlamm und wandelten sich dort allmählich zu Steinkohle.
Das Werk der Zerstörung und Gebirgsabtragung wurde oft unterbrochen durch vulkanische Katastrophen. In langen Spalten brach der Erdenpanzer auf; Asche stiebte in gewaltige Höhen empor und schneite weithin das Land ein; dünnflüssige Lava ergoß sich zu Strömen und Decken und erstarrte zu Porphyr.