Das Hymenophyllum tunbridgense, das auch Linné bekannt war, muß unbedingt als ein Eiszeitrelikt angesehen werden[13].
Hoffen wir, daß die wenigen noch heute vorhandenen Fundstellen noch recht lange erhalten bleiben. Eine Zerstörung durch Naturereignisse, wie der einen im Uttewalder Grunde, erscheint durch ihre günstige Lage als ausgeschlossen. Allerdings gegen Mutwillen und Vandalismus gewisser Wanderer läßt sich nur schwer ankämpfen. Hat aber die Pflanze bereits viele Jahrtausende überdauert, dann ist wohl auch anzunehmen, daß sie uns noch weiterhin erhalten bleibt.
Fußnote:
[13] Ich möchte diese Pflanze mit ihrem atlantischen Vorkommen nicht als Eiszeitrelikt bezeichnen; mir scheint es vielmehr ein Relikt aus wärmerer Periode, der die Eiszeit an geschützter Stelle überdauert hat, vielleicht ein Tertiär-Relikt. – Drude hält Hymenophyllum tunbridgense für »einen Überrest der Interglazialzeit«. Ein ähnliches interessantes Farnvorkommen, nämlich von der mittelmeerländischen Notochlaeno Marantae an der Südostgrenze des Böhmerwaldes wird von Professor v. Beck angeführt, der dieselbe »als Relikt einer schon vor der Glazialzeit bestandenen Flora« betrachtet.
Dr. Naumann.
Die ältesten Steindenkmäler Sachsens
Von Otto Eduard Schmidt, Dresden-A., Blochmannstr. 7
Lange Jahre beschäftigt mich schon die Frage, seit welcher Zeit im Gebiet unseres Sachsenlandes Steine im Dienst einer religiösen Vorstellung oder einer anderen Idee künstlerisch behauen worden sind. Die nur auf die Herstellung von Waffen oder Geräten abzielenden Steinarbeiten aus der sogenannten Steinzeit und der ihr folgenden Epoche kommen hier natürlich nicht in Frage. Denn die Beile, Hämmer, Äxte, Pfeil- und Lanzenspitzen, Messer, Mahlsteine offenbaren ja kein eigentlich künstlerisches Schaffen, soweit sie nicht, wie manche französische und schweizerische Fundstücke dieser Art, mit eingeritzten Tierbildern verziert sind.
Als ältesten künstlerisch behandelten Stein konnte ich bisher den in der Gegend von Pegau gefundenen, jetzt im Museum des sächsischen Altertumsvereins verwahrten großen Stein ansehen, den ich zuerst im Jahre 1914 in dem Buche »Kunst und Kirche« besprochen und veröffentlicht habe (S. 21 und Tafel 1). Ich halte ihn für ein an hervorragender Stelle angebrachtes Monument, das die unter König Heinrich etwa um 920 von der Saale an die Weiße Elster vorgerückte deutsch-slawische Grenze bezeichnen sollte. »Der Pegauer Stein zeigt auf der einen Breitseite einen roßführenden deutschen Jüngling, ein Hinweis auf die durch König Heinrich geschaffene Volksreiterei; auf den Schmalseiten sehen wir einen Schleuderer mit der Tartsche, der seinen tödlichen Stein soeben auf einen an der gegenüberliegenden Wange dargestellten Drachen, das Symbol des Heidentums, abgeschnellt hat; die Vorderseite aber zeigt die Grenzlinie, vor der links ein deutscher und rechts ein slawischer Reiter sein Roß pariert« (s. [Abbildung 1]). Zum Vergleiche kann man immerhin den um etwa zwei Jahrhunderte älteren, also um das Jahr 700 gemeißelten Reiterstein von Hornhausen im Kreise Oschersleben heranziehen, der ein Glanzstück des Provinzialmuseums für Vorgeschichte zu Halle bildet (s. die Abbildung auf S. 61 des von Hahne verfaßten Katalogs dieses Museums).
Ein mindestens ebenso hohes Alter wie der Pegauer Stein können die wenigen echten slawischen Götzenbilder für sich in Anspruch nehmen, die uns ein glücklicher Zufall erhalten hat. Vor allem der in Zadel bei Meißen im Innern des Kirchturms eingemauerte Steinkopf, den ich zuerst im Neuen Archiv für Sächsische Geschichte XXXII, S. 350 veröffentlicht und besprochen habe (s. [Abbildung 2]). Dieses Götterbild, ein Ungeheuer mit breitem Kopf, glotzenden Augen, weitgeöffnetem Mund und fletschenden Zähnen, ist vor allem geeignet, Furcht und Entsetzen einzuflößen.