Abb. 4. Pöppelmanns Abänderungsvorschlag zum Zwickauer Entwurf für die Frauentorbrücke (1726)

Pöppelmann behält das einfache Tor Naumanns bei, gibt aber der Brücke eine schönere Form. Der schwere Halbkreisbogen wird zum leichteren flachen Korbbogen und der Knick in der Brüstung fällt weg. Auch die Pfeiler des »Gattertors« bekommen bessere Verhältnisse und Anläufer vermitteln den Übergang zur niedrigen Steinbrüstung.

Aber auch dieser Entwurf erlitt dasselbe Schicksal wie der vorhergehende. Am 13. Juni 1726 wird im Rat beschlossen, »bei dem von Herrn Baudirektor Naumann gefertigten Riß zu bleiben.« Vielleicht spielte hierbei die Änderung in der Besetzung des Stadtrates eine gewisse Rolle. Es waren inzwischen, 1725, die beiden Bürgermeister und drei andere Ratsmitglieder gestorben, darunter der obengenannte Haupt und der Vorstand des Bauamts.

Als vor hundert Jahren die Tore und Brücken abgebrochen wurden, sind also jedenfalls keine bau- und kunstgeschichtlich wertvollen Gebäudeteile verschwunden.

Es ist immer von besonderem Reiz, einen Blick in die Werkstatt eines Künstlers zu werfen. Beim Baukünstler heißt das die Pläne, Zeichnungen und Erläuterungsberichte kennen lernen. Wir haben hier nur einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Arbeitsfeld Pöppelmanns vor uns und doch entbehrt er nicht einer gewissen Anteilnahme. Wir erkennen auch aus dem wenigen, wie der Meister der Zweckmäßigkeit und Schönheit in gleicher Weise Rechnung zu tragen verstand.

Fußnote:

[1] III o 10a Nr. 1: Acta den Nieder Thor Brücken Bau betr. 1719 und III o 10a Nr. 2: Acta den Bau einer neuen Frauen Thor Brücke betr. 1724.

Die Pappel, ein Beitrag zur Gestaltung der Landschaft durch den Menschen

Von Th. Leuschner, Dresden-Loschwitz