Abb. 2. Geflügelter Cherubim im Innern der Kirche zu Wolkenburg
Sehr viele der im Lauchhammer gegossenen Kunstwerke sind in das Ausland verkauft worden oder sonstwie verschollen. Aber noch immer trifft man hie und da in einem Museum oder auf einem Kirchhofe einen aus dem Lauchhammer stammenden älteren eisernen Kunstguß. Ganz besonders reich an solchen Werken ist das mittlere Tal der Zwickauer Mulde, weil Graf von Einsiedel, der Besitzer des Lauchhammers, auf Schloß Wolkenburg seinen Wohnsitz hatte. Das Schloß verrät noch heute in seinem Innern durch die Stuck- und Bilderausstattung des großen Saales den feinen klassizistischen Geschmack des Grafen Detlev Carl. Als er 1794 bis 1804 durch den Hofbauinspektor Giesel in Wolkenburg die schönste klassizistische Kirche bauen ließ, die Sachsen überhaupt aufzuweisen hat, schmückte er ihre griechischen Giebel mit herrlich gelungenen Darstellungen der Kreuzigung und der Auferstehung Christi, und das Innere mit zwei weihevollen Cherubim, die Opferschalen in den Händen halten. (1805 und 1810. [Abb. 1] und [2].) Andere Lauchhammerwerke kann man in der ehemaligen alten Dorfkirche zu Wolkenburg bewundern, die jetzt als Gruftkapelle der Schloßherrschaft dient. Dort ist links vom Altar an der Wand die große Grabplatte des Grafen Detlev Carl und rechts das Monument seiner Gemahlin Sidonie Albertine, eine eiserne Urne, die im Relief das Bildnis der Verstorbenen trägt, daneben steht in freier Figur der Tod, dargestellt als Knabe, der die Lebensfackel auslöscht und das Kreuz über die Urne der Heimgegangenen hält. ([Abb. 3.]) Außerdem enthält die Gruft das sehr bemerkenswerte Denkmal des am 29. Februar 1772 geborenen und am 30. November 1793, am letzten Tage der siegreichen Kämpfe gegen die Franzosen bei Kaiserslautern gefallenen Grafen Friedrich von Einsiedel auf einer liegenden, ovalen Grabplatte. Sie zeigt in lebensgroßem Hochrelief den Grafen in voller Uniform, den Dreimaster mit dem Federbusch auf dem Kopfe, den Degen an der Seite, mit noch jugendlichem, ausdrucksvollem Gesicht. In seiner ergreifenden Schlichtheit ist dieses Werk eins der eindrucksvollsten Denkmäler, die jene Zeit hervorgebracht hat. ([Abb. 4.]) Im Wolkenburger Park finden wir eine sehr anmutige Statue eines einschenkenden Satyrn ([Abb. 5]), die auf ein Werk des Praxiteles zurückgeht; das Original, nach dem der Eisenguß geformt ist, findet sich in der staatlichen Skulpturensammlung in Dresden. Ebenda steht auch das Original der Wolkenburger Flora, die in der Hand eine Weintraube und Blumen auf dem Kopfe trägt. Das Original hat sich aber nach Entfernung der unechten Teile (Kopf, linker Unterarm, rechter Unterschenkel) als eine Artemis aus hellenistischer Zeit entpuppt. Endlich schmückt den Wolkenburger Park auch die eiserne Nachbildung einer antiken Knöchelspielerin ([Abb. 6]), deren aus Rom gekommenes Urbild wir jetzt im staatlichen Museum in Berlin betrachten können. Auch im nahen Waldenburg ist eine reizvolle kleine eiserne Vase vorhanden. Sie steht im Grünfelder Park unweit des altertümlichen Steintores in einer Gebüschgruppe rechts vom Wege. Endlich enthält die Fürstlich Schönburgische Gruft im Schlosse Lichtenstein vier eiserne Sarkophage Lauchhammerscher Arbeit. (1807 und 1861.)
Abb. 3. Denkmal der Gräfin Sidonie Albertine von Einsiedel geb. Gräfin von Schönburg-Lichtenstein in der alten Dorfkirche (jetzt gräflich Einsiedelsche Gruftkirche) zu Wolkenburg
Nicht sicher ist der Lauchhammersche Ursprung, aber doch wahrscheinlich bei dem gußeisernen Grabmal zweier Kinder des Pfarrers Brause auf dem Kirchhofe zu Lichtenberg bei Freiberg. Meine bis ins Jahr 1913 zurückreichenden Nachforschungen über den Künstler, der dieses Grabmal entworfen hat, sind leider vergeblich geblieben, da die alten Geschäftsakten und Briefe im Lauchhammer nicht mehr vorhanden sind. Ich möchte aber doch dem Gefühl Ausdruck geben, daß dieses die Kindesnatur in so rührender Weise verkörpernde Bildwerk der Schule Christian Rauchs entstammt, der seit 1838 wegen des Bronzegusses seiner Statuen für den Posener Dom enge Beziehungen zum Lauchhammer unterhielt und in seinem Tagebuche schreibt, »daß er nie vorher einen solch dünnen und an der Oberfläche so schönen Guß gesehen und daß er sich entschlossen habe, die Figuren (für den Posener Dom) nicht zu ziselieren, sondern nur das Nötigste daran mit dem Punzen und der Feile zu tun und im übrigen nur mit Scheidewasser abzubrennen.« Noch näher läge es vielleicht, an den Lausitzer Ernst Rietschel als Urheber der Lichtenberger Gruppe zu denken, dessen Beziehungen zum Lauchhammer auch bis 1838 zurückreichen. Seit dieser Zeit tritt in der künstlerischen Tätigkeit des Lauchhammers allmählich der Bronzeguß vor dem Eisenguß in den Vordergrund. Aber begründet hat der Lauchhammer seinen künstlerischen Ruhm mit dem Guß in Eisen.
Abb. 4. Denkmal des Grafen Friedrich von Einsiedel (von oben gesehen) in der alten Dorfkirche zu Wolkenburg
Wenn wir die älteren Lauchhammerwerke betrachtet haben und dann als Gesamtbild vor unser inneres Auge stellen, so erscheinen sie nicht nur als Denkmäler der Personen, die sie gestiftet haben oder deren Andenken sie gewidmet sind, sondern auch als Ausdruck der Zeit, der sie ihr Entstehen verdanken. Notgedrungene Sparsamkeit und Schlichtheit sprechen aus ihnen. Aber dazu gesellen sich Wahrhaftigkeit und Anmut.