Die Zwerge wanden sich und krümmten sich bei diesen Forderungen und taten so erbärmlich, daß es einen Stein erbarmt haben würde; es half ihnen aber all ihr Gewinsel nichts.
„Wenn ihr nicht wollt,“ sagte der Gebieter, „so ist es mir auch recht, so bleiben wir da; es ist ja recht schön bei euch; ich nehme euch allesamt, wie ihr seid, eure Mützchen; dann seht, was aus euch wird, wenn man euch sieht — tot werdet ihr geschlagen, wo sich nur einer von euch blicken läßt. Noch mehr! Ich fahre hinauf auf die Oberwelt und sammle Kröten, die geb’ ich euch dann, jedem eine vor Schlafengehen mit ins Bette.“
Wie der Gebieter das Wort Kröten aussprach, stürzten alle Zwerge auf ihre Knie und riefen: „Gnade! Gnade! Nur das nicht! Um alles in der Welt! Nur das nicht!“ Denn die Kröten sind der Zwerge Abscheu und Tod.
„Ihr Toren,“ schalt der Gebieter; „ich verlange gar nicht ‚alles in der Welt‘; ich habe euch die allerbescheidenste Forderung gestellt, ich könnte ja unendlich mehr verlangen, allein ich bin ein grundguter Knabe. Ich könnte ja alles nehmen und das Mützchen und die Herrschaft über euch fort und fort behalten; denn so lange ich das Mützchen hätte, würde ich ja, das wißt ihr wohl, nicht sterben. Also, ihr wollt meine drei kleinen Bedingungen gewähren? Nicht?“
„Ja, ja, hoher Herr und Gebieter!“ erseufzeten die Zwerglein und gingen ans Werk, alles Begehrte herbeizuschaffen und alle Gebote zu vollziehen.—
Aber in der Mühle des alten grämlichen Müllers droben war nicht gut sein. Als der jüngste Bruder auch davon gegangen war, murrte der Müller: „Nun — der ist auch fort — bleibt aus wie das Röhrenwasser — so geht es — das hat man davon, wenn man Kinder groß zieht — sie wenden einem den Rücken zu. Nun ist nur noch das Mädchen da, mein Augapfel, mein Liebling.“
Der Liebling aber saß dort und begann zu weinen.
„Weinst du schon wieder!“ murrte der Alte; „denkst, ich soll meinen, du weinst um deine Brüder? Um den Gauch weinst du — um den armen Schlucker, der dich freien will. Ist so leer und ausgebeutelt wie ein Mehlsack — er hat nichts, du hast nichts, ich habe nichts, haben wir alle dreie nichts. Hörst du was klappern? Ich höre nichts. Die Mühle steht; schlechter kann es nicht stehen um eine Mühle, als wenn sie steht. Ich kann nicht mahlen, du kannst nicht heiraten, oder wir halten des Bettelmanns Hochzeit. Wie!“ — Solcherlei Reden hatte die Tochter täglich anzuhören und verging fast im stillen Leid.