Scherben werden zu Goldstücken.
Ein Holzhauer von Egerten, welcher unweit der versunkenen Stadt Nebenau im Wald arbeitete, sah am Mittag ein Mädchen mit einem Korbe auf dem Kopfe herbeikommen. In der Meinung, es sey eine Bekannte, die ihren in der Nähe beschäftigten Leuten das Essen bringe, rief er ihr mit Namen, und sogleich ließ sie den Korb fallen und lief von dannen. Voll Verwunderung ging er zu dem Korbe, fand aber nichts, als zerbrochenes Porzellangeschirr. Von diesem steckte er für seine Kinder viele Stücklein ein, die, als er sie zu Hause herauszog, lauter Goldmünzen waren. Sogleich eilte er in den Wald, um die übrigen Scherben zu holen; allein dieselben waren nicht mehr vorhanden.
Sitzenkirch.
Als die drei jungen Ritter von Kaltenbach in's Kloster gingen, fragte sie ihre Schwester, was sie nun machen solle. »Sitz in d'Kirch und bete!« erhielt sie von ihnen zur Antwort. Auf dieses stiftete das Fräulein im benachbarten Thale ein Frauenkloster und nahm darin den Schleier. Wegen der Rede ihrer Brüder gab sie dem Gotteshaus den Namen Sitzenkirch, der auch auf das Dorf, welches später dort entstanden, übergegangen ist.
Die Sausenburg.
Diese Burg, gewöhnlich das Sausenharder Schloß genannt, liegt auf einem waldigen Berge und ist nicht mehr bewohnbar. Von ihr haben unterirdische Gänge nach Bürgeln und den Klöstern zu Sitzenkirch und in der Neuenbürg sich gezogen. Bei Nacht schweben in ihr blaue Lichter umher, und da, wo sie erlöschen, liegen Schätze vergraben. Auch eine weiße Jungfrau mit einem Bund Schlüssel spukt daselbst, welche schön singt und an dem Brünnlein unterhalb des Schlosses sich zu waschen und zu kämmen pflegt. Manchmal geht sie nach der Neuenbürg und von da nach Bürgeln. Bei dem Burggärtlein begegnete sie eines Tages einem Mann aus Sitzenkirch und sagte ihm, seine Haare seyen nicht gekämmt, er solle heimgehen und dieselben strehlen, was er auch eilig that.
Einem andern Mann, der Nachts zwischen elf und zwölf unterm Schloß vorbeifuhr, rief sie dreimal: »Komm herauf!« und da er ihr nicht folgte, jammerte sie: daß erst in hundert Jahren ein Kind geboren werde, welches wieder sie erlösen könne.
Als sie einst in der Frühe von einem Kanderner Jungen, welcher bei der Burg Vieh hütete, Brod begehrte, erhielt sie von ihm zur Antwort, er habe keines. Hätte er »Helf Dir Gott« zu ihr gesagt, so hätte er ihre Erlösung bewirkt.