Drei Jahre nachher wurde von Holzhauern auf dem Kandelfelsen ein beschriebenes Pergament gefunden, welches die erwähnten Vorgänge umständlich erzählte und sagte, daß, wenn die Forelle ihr Ziel erreiche, sie mit dem Lotteisen den Felsen herausreiße und dadurch den See im Innern des Berges auf das Elzthal loslasse. Das Pergament brachten die Holzhauer nach Waldkirch, wo man es bei Erbauung der jetzigen Kirche in deren Grundstein legte.

56.

Die Namen Gutach's, Bleibach's und Simonswald's.

Zu der ersten Äbtissin des Waldkircher Fräuleinstifts kamen drei Brüder und baten, sich in ihrem öden Gebiete ansiedeln zu dürfen. Sie erlaubte ihnen, sich die Plätze selbst zu wählen. An einer hübschen Stelle sprach der Eine: »Hier ist's gut!« und baute sich da an. Wegen dieser Rede erhielt der Ort den Namen Gutach. Der zweite fand jenseits des Baches einen Platz, der ihm wohl gefiel, und sagte. »Hier bleib' ich!« Davon wurde der Ort Bleibach genannt. Der dritte endlich, welcher Simon hieß, siedelte sich in einem Walde an, und seitdem trägt dieser den Namen Simonswald.

57.

Der Ahornbauer.

Als ein Mann von Simonswald wegen Zauberei verbrannt werden sollte, sprach er. »So gewiß bin ich unschuldig, als bei meinem Haus ein Ahornbaum wachsen wird.« Gleich nach der Hinrichtung kam auch bei dem Haus ein Ahorn hervor, und seitdem ist dort immer ein solcher Baum; denn wenn man den einen umhaut, wächst unverzüglich ein anderer nach. Von dem Baum hat der Hofbesitzer den Namen Ahornbauer erhalten.

58.

Der Blindensee will ausbrechen.

Vor langer Zeit drohte dieser Bergsee bei dem Triberger Wasserfall auszubrechen, und das dortige Thal zu überschwemmen. Da kam die Mutter Gottes und spannte vor die Öffnung ein Netz von Fäden, wodurch das Wasser, wie durch einen Damm, zurückgehalten ward. Jedes Jahr aber verfault einer der Fäden, und wenn endlich alle verwest sind, dann bricht der See heraus und überfluthet das ganze Thal. Dies geschieht am Bartholomäustag, an welchem in Triberg Jahrmarkt gehalten wird.