Schatz ausgeliefert.

In einem Hause beim Pforzheimer Roßwehr war eines Abends die Frau allein in der Stube. Da rief ihr die Stimme eines Unsichtbaren herein: sie solle in den Keller gehen, den Hafen mit Eiern, der dort auf einem gewissen Platze stehe, holen und den Schatz auch die Armen genießen lassen. Sogleich begab sich die Frau in den Keller, fand an der bezeichneten Stelle den Hafen mit Eiern und nahm ihn mit sich. Am nächsten Morgen waren die Eier zu Gold geworden, wovon die Frau und ihr Mann den Armen reichlich mittheilten.

122.

Der Feuerschläger.

Im Walde bei Eisingen geht Nachts und Mittags ein riesenhafter schwarzer Mann um, der mit einem Feuerzeug Funken, so groß wie Sterne, schlägt und der Feuerschläger genannt wird. Häufig steht er bei einer gewissen Eiche am Saume des Waldes; häufig auch führt er die Leute irre. Unter der Eiche sahen Nachts ein vorübergehender Schornsteinfeger und sein Gesell einen Haufen glühender Kohlen liegen. Trotz der Abmahnung seines Meisters ging der Gesell hin und wollte von den Kohlen nehmen; aber da bekam er von unsichtbarer Hand eine solche Ohrfeige, daß er eilig sich zurück begab.

123.

Königsbach.

Dieses Dorf hat seinen Namen daher, daß auf dem dortigen Berg ein König wohnte, und an jenes Fuße ein Bach entspringt. Der König trieb arge Wegelagerei, und um darüber zu täuschen, wo er und seine Mannen seien, legten sie ihren Rossen die Hufeisen verkehrt auf. Weil seine Burg das einzige steinerne Haus im Orte war, wurde der Berg, worauf sie stand, der Steinhausberg genannt. Übrigens war Königsbach damals so groß, daß es siebenhundert Bürger zählte. Im Schwedenkrieg kamen dieselben auf sieben herunter, welche, als der Friede verkündet ward, im Adlerwirthshaus zusammen kamen und mit einer Geige aufspielten. Um ihr Feld wieder einzusäen, mußten sie den Samen weit herkommen lassen; denn sieben Jahre lang hatten die Schweden alle Frucht im ganzen Land abgeschnitten.

Aus der Burg, von welcher jetzt wenig mehr übrig ist, führte ein unterirdischer Gang zu dem Schlosse in den Brachenthaler Wiesen. Als einst Mittags an der Stelle, wo dasselbe gestanden hatte, ein Bauer zackerte, brach sein Pferd mit einem Fuße in den Boden. Beim Herausziehen hing eine lange Goldkette daran, die aber, als der Bauer das Pferd fluchend antrieb, augenblicklich versank.

Auf der Burg liegt, bei einem Nußbaum, ein großer Schatz in einem tiefen Brunnen, der mit einer steinernen Platte zugedeckt ist. Dahin wandeln öfters aus der Ortskirche zwei gespenstige Fräulein in weißen Schleiern und Gewändern mit Schlüsselbunden, und verschwinden auf der Steinplatte. Auch die Geister von Kapuzinern und ein nächtliches Licht lassen sich im Burgraume sehen.