Als das die andern hörten, machten sie zwar grosse Augen und meinten, so sei's nicht gewettet. Weil sie aber doch das Lachen selber nicht verbeissen konnten, und waren reiche und gute Leute, und der hebräische Reisegefährte hatte ihnen von Kleinen-Kems bis nach Schalampi die Zeit verkürzt, so liessen sie es gelten, und der Jud hat aus dem Schiff getragen—das soll mir ein fleissiger Schüler im Kopf ausrechnen: wie viel Gulden und Kreuzer hat der Jude aus dem Schiff getragen? Einen Zwölfer und einen messingenen Knopf hatte er schon. Elf Zwölfer hat er mit Erraten gewonnen, elf mit seinem eigenen Rätsel, einen hat er zurückbezahlt und dem Schiffer achtzehn Kreuzer Trinkgeld entrichtet.
Erinnerung an die Kriegszeit
Es ist nicht zu leugnen: wenn hie und da ein siegreiches Truppenkorps in eine feindliche Landschaft einrückte und Quartiere nahm, dass sich alsdann der arme Einwohner viel musste gefallen lassen, nicht nur von der Notwendigkeit, sondern auch von dem Unverstand und höhnendem Übermut. Zu einem solchen Unteroffizier, als er eben am Mittagessen war, kam sein Kamerad und verwunderte sich über ihn mit folgenden Worten:
"Herr Kamerad", sagte er zu ihm, "seit wann seid Ihr ein Jude geworden, dass Ihr Euch zwicken lasst? Euch ist seit gestern ein kurioser Bart gewachsen."
Nämlich der Unteroffizier, der am Mittagessen war, ass gerne Nudeln. Deswegen musste ihm der Wirt jeden Mittag Nudeln aufstellen und natürlich ein fettes Huhn darin. Der Unteroffizier wusste, dass die Nudeln von feinem Mehl und Teig längere Fäden haben als die groben. Deswegen musste ihm der Wirt lange und feine Nudeln aufstellen, welche sich fast mit keiner Geschicklichkeit um die Gabel herumspinnen lassen, sondern wann man meint, jetzt sei eine umgesponnen, haspelt sich eine andere wieder ab, und eine Gabel oder einen Löffel voll mit allen Enden auf einmal in den Mund zu bringen, ist eine Kunst. Zwar darf man sie nur zuerst ein wenig auf dem Teller zerschneiden. Allein das wollte der Unteroffizier nicht. Nein, der Wirt, und wenn er auch des Kuckucks hätte werden mögen, musste, solang der Unteroffizier an den Nudeln ass, mit einer Schere neben ihm stehen, und was zu lange war und nicht in den Mund hinein zu bringen war, musste er ihm von den Lippen vorsichtig abschneiden. Deswegen, als dieses der andere Unteroffizier sah, verwunderte er sich und sagte zu ihm scherzweise und lachend: "Euch ist ein kurioser Bart gewachsen. Seit wann lasst Ihr Euch zwicken wie ein Jud?" Dem Wirt kam der Spass nicht lächerlich vor. Allein der andere Unteroffizier tröstete ihn. "Landsmann", sagte er zu ihm, "es ist Krieg."
So etwas kann man schon erzählen und zur Erinnerung an die
überstandenen Zeiten lesen, wann durch Gottes Gnade und durch die
Weisheit der friedliebenden Potentaten alle Plackereien und
Hudeleien ein Ende haben.
Etwas aus der Türkei
In der Türkei ist Justiz. Ein Kaufmannsdiener, auf der Reise von der Nacht und Müdigkeit überfallen, bindet sein Pferd, so mit kostbaren Waren beladen war, nimmer weit von einem Wachthaus an einen Baum, legt sich selber unter das Obdach des Baumes und schläft ein. Früh, als ihn die Morgenluft und der Wachtelschlag weckte, hatte er gut geschlafen, aber das Rösslein war fort.
Da eilte der Beraubte zu dem Statthalter der Provinz, nämlich zu dem Prinzen Karosman Oglu, der in der Nähe sich aufhielt, und klagte vor seinem Richterstuhl seine Not. Der Prinz gab ihm wenig Gehör. "So nahe bei dem Wachthaus; warum bist du nicht die fünfzig Schritte weiter geritten, so wärest du sicher gewesen. Es ist deines Leichtsinns Schuld." Da sagte der Kaufmannsdiener: "Gerechter Prinz, hab' ich mich fürchten sollen, unter freiem Himmel zu schlafen, in einem Lande, wo du regierst?" Das tat dem Prinzen Karosman wohl und wurmte ihn zugleich. "Trink heute Nacht ein Gläslein türkischen Schnaps," sagte er zu dem Kaufmannsdiener, "und schlafe noch einmal unter dem Baum." So gesagt, so getan. Des andern Morgens, als ihn die Morgenluft und der Wachtelschlag weckte, hatte er auch gut geschlafen, denn das Rösslein stand mit allen Kostbarkeiten wieder angebunden neben ihm, und an dem Baum hing ein toter Mensch, der Dieb, und sah das Morgenrot nimmermehr.
Bäume gäb' es noch an manchen Orten, grosse und kleine.