Möge denn diese Veröffentlichung dazu beitragen, die künstlerische Seite in Goethe unseren Mitgliedern näher zu bringen. Wenn einst die gesammten schriftlichen Belege über den Verkehr Goethes mit Künstlern gesichtet und erläutert vorliegen, dann erst werden die sämmtlichen Beziehungen Goethe’s zur Kunst, und was Kunst und Künstler ihm verdanken, klargelegt werden können. Hat unsere diesjährige Veröffentlichung den Weg zu diesem letzten Ziele nur einigermaßen geebnet, so hat sie ihren Zweck erfüllt.

C. Ruland.

[*)] Vergl. Tag- und Jahreshefte, Lempel’sche Ausgabe §§ 748, 764, 1089, 1047.

Als ich im April 1810 nach Jena ging, um meine zwey Bände zur Farbenlehre abzuschließen und den Druck zu beendigen, sah ich der Erledigung von einer Last, die so viele Jahre auf mich gedruckt, mit Wohlbehagen entgegen; ich hatte mich so lange Zeit mit der Farbe, aber ohne Bezug auf Gestalt und lebendige Natur beschäftigt, daß dieser abstrakte ja abstruse Zustand mir höchst widerwärtig erschien, und mich ein wunderliches Verlangen überfiel, das was in mir läge von Zeichnungsfähigkeit der Landschaft noch einmal zu versuchen. Dies geschah nun auf diese Weise, daß ich bey einsamen Spatziergängen mir gewisse Gegenstände so fest als möglich einprägte und nachher zu Hause mit der Feder aufs Papier fixirte, auch wohl an der Natur selbst Umriß versuchte, oder nach Erzählungen mir Gegenden vorbildete und theils die Umrisse stehen lies, theils durch Licht und Schatten die Gegenstände zu sondern suchte. Dieses setzt’ ich fort bis in den August, auf meiner Reise nach Carlsbad und Töplitz, da denn auch die Ausflüge nach Graupen und Bilin gleicherweise benutzt wurden. Und so entstanden denn nachstehende, zweyundzwanzig Blätter, die ich mit eben so wunderbarer Aufmerksamkeit aufzog, umrahmte und mehr oder weniger ausführte. Da mit dem August sich diese gewissermaßen angestrengte Neigung völlig verlor, auch nachher wenig der Art von mir hervorgebracht wurde, und selbst wenn ich es versuchen wollte, nicht sonderlich gelang, so habe diese Zeichnungen sämmtlich zusammen gehalten, keine fremde Hand, wie ich sonst bey Skizzen gerne that, darin walten lassen und so dieser eigenen Lebens- und Kunstepoche ein Denkmal zu erhalten gesucht; wie ich sie denn auch gegenwärtig in einen Band gesammelt, um sie für ein Ganzes zu erklären, woraus Fähigkeit sowohl als Unfähigkeit beurtheilt werden könnte. Um den einzelnen Blättern mehr Interesse zu geben, bezeichne folgendes.

[No. 1.]

Die Nordseite des Grabens zu Jena, in der Einbildungskraft zusammengezogen, um ein engeres Bild zu gewinnen. Göttlings Thurm und Akazien, der halbausgefüllte Graben, die Wucherey, das Accouschir-Haus, der Pulverthurm, alles auf sehr subjective Weise nachgebildet.

[No. 2.]

Das Engelgatter und Brücke, an Ort und Stelle, obgleich wild, doch mehr an der Wirklichkeit, gezeichnet vom Fußpfad auf der Höhe des linken Ufers der Leutra; Substructionen und Häuschen auf der rechten Seite gehören zu Schillers Garten.

[No. 3.]

Erinnerung an Drackendorf bey flüchtigster Durchfahrt.