Der Kreis der alten Freunde lichtete sich mehr und mehr. 1879 nahm ihm der Tod auch seine alten Freunde Krüger und Peschel. Carl Peschel, einer der Getreuen aus der Zeit des römischen Aufenthaltes, war ihm ein lieber und trefflicher Freund, der bis in sein hohes Alter (er war 1798 geboren) sich Frische und Produktionskraft erhielt; zeigten doch seine letzten Arbeiten, Kartons zu Fenstern für eine Kirche in England, noch wesentliche Fortschritte. In seiner Kunst schloß er sich den altdeutschen Meistern an. Er hat eine Reihe tüchtiger Altarbilder aus innerster religiöser Überzeugung geschaffen, die zu den besten Werken kirchlicher Kunst aus dieser Epoche gehören. Es sei hier nur eine „Kreuzigung“ genannt, die er als Altarbild für die Kapelle des Prinzenpalais in Dresden ausführte. War Richter eine produktive Natur, so war die Peschels mehr kontemplativ, und so ergänzten sich beide sehr gut. Peschel zählte zu den Hauptstützen der Dresdener Akademie; er unterrichtete viele Jahre mit größter Gewissenhaftigkeit im Antiken- und Aktsaal und zeigte warmes Interesse für seine Schüler. Die an seine Braut gerichteten Briefe aus seiner römischen Studienzeit, die über die Entwickelung der neudeutschen Kunst gewiß vieles Interessante enthalten haben, sind seiner Witwe auf deren ausdrücklichen Wunsch mit in den Sarg gelegt worden. — Auch der alte Freund Julius Hübner schied Anfang der achtziger Jahre von dieser Erde.
Abb. 178. Sub rosa. Aus „Altes und Neues“. 1873. (Zu [Seite 94].)
Unser Meister war nun recht einsam und verlassen, aber doch nicht vergessen. Das sah er zu seiner Freude an seinem achtzigsten Geburtstage, an welchem ihm so viele Zeichen und Beweise treuer Liebe und dankbarer Verehrung aus allen Gegenden Deutschlands von alt und jung entgegengebracht wurden. Er war tiefbewegt von alledem, aber demütig und fast verlegen nahm er solche Huldigungen entgegen. Am meisten freuten ihn Zuschriften und kleine Aufmerksamkeiten aus dem Volke, die oft in recht drolliger und humoristischer Weise die Verehrung für den Meister zum Ausdruck brachten. Wir wollen hier nur eine Zusendung anführen, die aus Schlesien an diesem Tage einging:
„Wer uns den Rübezahl erschuf,
Wie unser Ludwig Richter,
Der ist ein Maler von Beruf
Und von Beruf ein Dichter.
Bei allem Herben leuchtet vor,