Abb. 187. Skizze zum Schneewittchen.
(Zu [Seite 96].)

Am Abend des 19. Juni stellte sich plötzlich bei ihm, nachdem er noch vorher mit seiner Tochter Elisabeth das Abendbrot in gewohnter Weise eingenommen hatte, Frost ein; er begab sich zu Bett. Kurz darauf trat die Tochter in das Schlafzimmer, um nach seinem Befinden zu fragen; er antwortete ihr noch ganz klar und ruhig, begann auf einmal zu röcheln, und nach wenigen Minuten hörte er auf zu atmen. Ohne Kampf löste sich die erdenmüde Seele von ihrer leiblichen Hülle.

„Ich wollt’, daß ich daheim wär’,

Und aller Welt nicht diente mehr.

Ich hab’ doch hie mein Bleiben nicht,

Ob’s morgen oder heut geschicht.

Daheim ist Leben ohne Tod

Und ganze Freude ohne Not.“

Dunkle, schwere Wolken zogen am Himmel, strömender Regen ging nieder, als der teure Tote, es war am Abend des 21. Juni, einem Sonnabend, bei Fackelschein von den Dresdener Künstlern nach der Friedhofshalle übergeführt wurde. Seine Vaterstadt Dresden erwies ihrem Ehrenbürger durch das feierliche Geläute sämtlicher Kirchenglocken die letzte Ehre. Auf dem neuen katholischen Friedhof der Friedrichstadt, des Stadtteiles, in dem seine Wiege stand, wurde er beerdigt. Sein Grabstein trägt die gleiche Inschrift wie der seiner Frau auf dem Loschwitzer Friedhof: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“

Aus der Grabrede, die ihm der Kaplan Eberhard Klein am 23. Juni hielt, ist folgende Stelle hervorzuheben: „Richter hat die Himmelsgabe, die ihm Gott geschenkt, mit priesterlicher Ehrfurcht gehandhabt und gehütet. Seine Kunst hat sich ihren wahren Adels- und Freiheitsbrief der Tendenzlosigkeit bewahrt und nichts anderes sich zum Zwecke gesetzt, als in Gott wohlgefälliger Weise die Mitmenschen zu erfreuen. Seine Kunst war eine Art Gottesdienst, war eine Ausübung der Nächstenliebe, wie sie selbstloser und edler nicht gedacht werden kann. Und wie er malte, so war er, seine Kunst ist sein Wesen.“ —