Hunger, Luftmangel und Krankheit, nicht mehr zu den ausnehmenden Schönheiten gerechnet werden konnte. Der Türke setzte sich neben sie auf den Fußboden, lachte und wollte sie umfangen, wie er solches in den ersten Tagen ihrer Kerkerzeit getan. Doch Marco packte ihn von hinten an den Schultern, warf ihn um und zertrümmerte ihm fast mit seiner Kette das Hirn.

Dem heraneilenden Gehilfen war es natürlich ein leichtes, den von der langen Gefangenschaft geschwächten Jüngling zu bewältigen. Beide Türken stürzten sich auf ihn und begannen ihn unbarmherzig zu peitschen. Sie schlugen ihn abwechselnd, bis beider Hände vor Ermattung niedersanken. Schimpfreden und Drohungen ausstoßend, entfernten sie sich endlich und ließen den Marco in einer Blutlache zurück.

Im Kerker schwieg alles. Keiner wußte, was zu sagen.

Julia näherte sich dem Marco, soweit ihre Ketten es zuließen, wusch seine Wunden und legte ihm feuchte Umschläge um den Kopf.

Marco öffnete die Augen und sagte:

— Ich bin im Paradies.

Julia küßte ihn auf die Schulter, da sie seine Lippen nicht erreichen konnte und sagte ihm:

— Ich liebe dich, Marco. Du bist so licht.

Alle dachten, daß der Türke am nächsten Tage Marco totschlagen würde. Doch aus irgend welchen Gründen kamen am nächsten Morgen zwei neue Kerkermeister, den Kerker zu reinigen: beide waren düster und beachteten die Gefangenen keineswegs. Hatten nun die Bisherigen Furcht vor der Rache, oder wurden sie abgelöst — dies blieb für den Kerker ein Rätsel.

7.