»Ich bin eine Mörtel- oder Maurerbiene. Seit zwei Tagen arbeite ich an meinem Nest, das ich an der äußeren Wand einer Menschenwohnung anlegte. Da kam eine Schwesterbiene von jener berüchtigten Art, die man ja leider kennt, und reizte mich durch ihre unverschämten Ansprüche an meinen mühsam erworbenen Besitz. In einem wilden Kampf um meine Rechte zog ich den kürzern, und die Freche bemächtigte sich meines fast fertigen Nestes. Übel zugerichtet, mußte ich fliehen und finde jetzt nicht einmal mehr die Kraft, ein wenig Honig zu sammeln; darum wende ich mich an euch, ihr guten Hummeln, daß ihr mir ein wenig zu essen gebt.«
Von ihrer Darstellung ergriffen, bereiteten ihr die braven Leute sofort ein ausgiebiges Frühstück, an dem auch Max sehr gern teilnahm, denn sein Magen brummte bereits, als ob er selber eine Hummelgeige geworden wäre. Nach dem Essen flogen die Hummeln alle weg, um draußen Honig zu sammeln. Die Maurerbiene hatte sich herzlich bedankt und wollte auch fortgehen. Da trat Max, auf den ihre Geschichte tiefen Eindruck gemacht hatte, zu ihr hin und sprach:
»Höre, dir ist ein Unrecht geschehen, das ich wieder gutmachen möchte.«
Max hatte von seiner Mutter oft gehört, daß es Pflicht eines jeden Ehrenmannes sei, sich für den Schwachen zu verwenden, wenn er der rohen Gewalt ausgesetzt ist, und daß es sich gehört, das gute Recht gegen jeden Unterdrücker zu verteidigen.
»Wo ist dein geraubtes Nest?« fragte Max.
Die Biene schüttelte traurig den Kopf und sprach:
»Wenn ich selbst es nicht verteidigen konnte mit meinem spitzen Stachel, so bleibt wenig Hoffnung, liebe Ameise, daß du mir helfen könntest, es zurückzuerobern. Doch will ich es dir für alle Fälle weisen. Mein Nest ist an der Vorderseite eines Hauses, das in gerader Richtung vor uns liegt. Es ist ziemlich weit von hier; man erkennt es an einer großen Rebe, die sich an seinen Mauern bis unters Dach emporrankt.«
Damit flog die Maurerbiene mit einem Seufzer fort und hörte nicht mehr auf Max, der vor Aufregung kaum fragen konnte:
»Ist es eine Muskatellerrebe?«