»Und in der Prüfung hat man dich nicht gelobt.«
»Wie kannst du dir erlauben, eine Rede zu unterbrechen, du Wicht, du Naseweis! – Wenn du nicht gleich still bist, nenne ich dich Butziwackel.«
Butziwackel! Schauderhaft. – Wie war ihm dieses Wort verhaßt! – Was konnte er dafür, daß seine gute Mutter ihrem kleinsten Sohne in äußerster Sparsamkeit für den Landaufenthalt immer die alten, abgetragenen, fadenscheinigen Höschen ihres Moritz zumutete. Dem Wildfang Max wollten diese Höschen nie lange halten. So oft auch die Mutter den Sitzboden stopfte und flickte, es kam doch immer wieder einmal ein verdächtig weißes Zipfelchen zum Vorschein, das vorwitzig, einem Fähnlein gleich, hinter dem Kleinen herbammelte. Und darum schimpften sie Butziwackel.
Für andere Leute mochte das Fähnlein ja recht putzig und lustig aussehen, für Max aber war es nur ärgerlich und entfachte seinen Zorn.
Kaum hatte auch jetzt wieder sein älterer Bruder das verdrießliche Wort ausgesprochen, so griff Max nach dem Boden seines Höschens. Wahrlich! auch heute hing schon wieder frech ein Fähnlein heraus. Rasch stopfte er es ins Verborgene und ging grollend weg von seinen Geschwistern.
2. Max wird ein Ameisenei.
Mit Tränen in den Augen und zornrotem Gesichte lief unser kleiner Max durch den Garten und kam zu einer Felsgrotte, aus der ein Brünnlein plätschernd hervorsprang. Dort setzte er sich auf einen moosigen Stein, stützte den Kopf auf beide Arme und starrte vor sich auf den Boden. Siehe, da lief eine Ameisenschar wie eine lange Prozession geschäftig ihre Straße hin und her. Max schaute ihnen eine Zeitlang zu und dachte: »Wie schön haben's doch die Ameisen! Sie gehen den ganzen Tag spazieren, freuen sich des Lebens, müssen nicht lernen und kennen keine Prüfungen. Wenn ich doch nur auch eine Ameise wäre!«
Er mußte seine Gedanken laut ausgesprochen haben; denn plötzlich hörte er neben sich eine Stimme: