So stürmen sie das Haus. Der Hohenpriester kommt zurück, von Gamaliel, Moses, Annas und Caiphas umgeben, voll Lobes über Sauls Thaten, und begierig, auch den Erfolg dieser letzten zu sehen. Die Gefangenen werden herausgeführt, und Saul fragt, was man mit ihnen thun solle, da die Kerker alle gefüllt seien. Auf den Wunsch des Hohenpriesters werden alle diejenigen freigelassen, die den Glauben an Gottes Sohn abschwören, die anderen dem Henker überantwortet:

Sie sollen verreden, das sie wöllen,

Sich nimmer an die Lehr gesellen,

Ir lebenlang, so sind sie loß,

Nicht mehr thun, sey ir höchste buß.

Bezeichnend für die naive Denkart der Zeit ist, daß die noch auf der Bühne befindlichen Personen nunmehr das Lied »Eine feste Burg ist unser Gott« anstimmen, bevor sie die Einladung des Hohenpriesters, ihm zu Tische zu folgen, nachkommen.

Zu Beginn des zweiten Aktes treten Petrus, Simeon, Samuel und Johannes auf. Die Furcht vor der Macht Sauls läßt sie zu dem Entschluß kommen, eiligst nach Damaskus zu entfliehen. Es folgt ein kurzes Gespräch Sauls mit zwei Knechten. Wir erfahren, daß die Christen sich lieber foltern lassen, als daß sie ihren Glauben an den Messias aufgeben. Saul gerät hierüber in großes Erstaunen:

Solte vnser Moses falsch seyn,

Vnd auch die Schriftgelehrten fein? — —