Fig. 20. Erweiterter Dreifuß [H. G. 5735.]

An diesem Gerät zeigt sich in der einfachsten Form, wie die entscheidende Veränderung des Dreifußes bereits eingetreten ist, welche darin besteht, daß die drei Beine nicht mehr an den drei Ecken eines über dem Dreifußringe liegend gedachten gleichseitigen Dreieckes ansetzen, sondern daß es sich bei den neuen Ansatzstellen um die Eckpunkte eines ebenso gedachten Quadrates handelt: Punkt 1 bleibt frei, an den einander gegenüberliegenden Punkten 2 und 3 setzt je ein Bein an, und bei Punkt 4 ist ein wagerechter Bügel an den Kranz angesetzt, der sich an seinem Ende zum dritten Beine umbiegt. Eines der Hauptmerkzeichen des einfachen Dreifußes ist also durch die Veränderung der Beinansatz-Stellen aufgegeben, und eben dadurch zumeist ist ein neues Gerät entstanden. Aber wie gesagt, das in der Abbildung gegebene Stück ist das einzige uns bekannt gewordene. Wirkliche Verbreitung scheint das Gerät erst gefunden zu haben, nachdem es durch eine nochmalige Erweiterung vervollkommnet und so zum Tragen der Stielpfannen hergerichtet war. Das dadurch entstandene Gerät ist der Pfannenknecht[13].

In den oft zitierten »Studien zur germanischen Volkskunde« sagt Meringer: »Auch der Dreifuß ist alt. Aber unbedingt jünger als der Feuerbock ist wenigstens die Gestalt des Dreifußes, welche man heute im oberdeutschen Hause findet. Seine Geschichte ist offenbar mit der Geschichte der langstieligen Pfannen auf das Engste verknüpft, doch fehlt es hier noch an Vorstudien, um zu einer näheren Einsicht zu gelangen[14].« Ob die damit über das Alter des Pfannenknechtes ausgesprochene Behauptung auch für den Gebrauch in Deutschland zutrifft, können wir bislang leider noch nicht beurteilen, weil es uns nicht gelungen ist, die im mittelalterlichen Latein übliche Bezeichnung für unser Gerät ausfindig zu machen, vorausgesetzt, daß überhaupt eine solche neben dem einfachen tripus bestanden hat. So viel aber ist sicher, daß »der Pfannen schalc« im 13. Jahrhundert schon ein in Bayern bekanntes Gerät war, zu welcher Zeit es in einem Liede erwähnt wird, das — nach Moriz Haupt mit Unrecht — unter Neidharts von Reuenthal Namen geht. Die Stelle (XXXIX, 10 ff.) lautet:

»Nû weiz ich einen der sich sêre vlîzet

wie er mich beswære an Engelgarte.

jâ weiz ich niht waz er der guoten wîzet.

im mac geschehen als jenem Durinkharte,

den ir muoter mit der pfannen schalke

harte an sînen drüzzel sluoc.«