Neben diesem »runden« Pfanneisen nun erscheint, wie gesagt, noch eine andere Form, die auch schon Meringer a. a. O. XXV, S. 61 b deutlich von jener unterschieden hat: die dreieckige. Diese Form kann nicht wie die runde bei ihrer Entstehung an die des Pfannenknechtes sich angelehnt haben, die wiederum auf die des Ringdreifußes zurückgeht, sondern sie muß unmittelbar aus dem Dreieck-Dreifuße hervorgegangen sein, indem das Dreieck desselben aus einem gleichseitigen in ein langgezogenes gleichschenkliches verwandelt und über dem einen Beine die auch von der runden Form des Pfanneisens her uns bekannte Gabel emporgetrieben wurde. Der zwischen den drei Randleisten entstehende offene Raum wurde durch Stäbe ausgefüllt, die — gleich den Randleisten — aus Eisendrähten zusammengedreht und in einem, dem Material eigentlich völlig widersprechenden, reichen Wechsel von strickmäßigen Knotenverschlingungen durcheinander gezogen sind. Diese Verschlingungen machen das Gerät auf den ersten Blick kenntlich. Ob dieselben eine letzte Erinnerung an eine alte aus Stricken zusammengeflochtene Pfannenunterlage bilden, die ungefähr dem früher erwähnten strohernen Kesselringe entsprechen würde, müssen wir dahingestellt bleiben lassen.
Meringer, a. a. O. XXV, S. 60/61 hat mehrere derartige Pfanneisen des oberdeutschen Hauses abgebildet. Ein sehr schönes Stück befindet sich im Bayerischen Gewerbemuseum, in dessen Jahresbericht 1899 S. 4b es unter dem Namen »Kesselknecht« bereits abgebildet wurde. Durch das freundliche Entgegenkommen des Direktoriums genannten Museums, welches uns die Benützung des Clichés gütigst gestattete, sind wir in die glückliche Lage versetzt, die Abbildung hier nochmals bringen zu können (vgl. [Fig. 25]). In Nürnberg sind uns diese Pfanneisen nicht entgegengetreten. Die Küche des Museums sowohl wie die des Albrecht-Dürer Hauses besitzen zwar je ein Exemplar, aber auch diese stammen vermutlich nicht aus Nürnberg. Nebenbei gesagt erscheint es uns mindestens fraglich, ob dieses Gerät als reines Serviergerät überhaupt in der Küche seinen rechten Platz hat, wir sahen schon früher, daß H. Sachs das zu gleichem Zwecke benützte Pfannholz zur Ausstattung der Stube — nicht der Küche — rechnet.
Der Leser wird nun aus den letzten Ausführungen selbst erkennen, weshalb wir es für nötig erachtet haben, den eigentlichen Kreis der für uns in Betracht kommenden Geräte zu überschreiten und von Pfannholz und Pfanneisen einiges zu sagen. Wir wollen schließlich nur noch das eine bemerken, daß das von Grimm W. B. VII, 1616 aufgeführte »Pfannengestell« weder mit Pfannenknecht noch mit Pfanneisen etwas zu thun hat. Es ist vielmehr das Bord, auf welches die Pfannen, so lange sie nicht in Gebrauch sind, gehängt werden, also ein Küchenmöbel, wie aus der lat. Bezeichnung repositorium hervorgeht, die nach Dieffenbach a. a. O. S. 493b mit schanck vel kist, silberkast, droͤsur, nl. tresoor, hd. nl. buffet glossiert wird. —
Der Pfannenknecht ist nun aber nicht das einzige Gerät, durch welches die Pfanne über das Feuer gehalten wird, der Pfannenhalter besorgt in durchaus anderer Weise dieselbe Funktion. Zur Erklärung dieses Gerätes führen wir Bancalari’s Worte an, die also lauten: »Der Rahmen [des Herdes] ist stellenweise durchlocht. Dort werden Geräte zum Halten der Pfannstiele eingesteckt. Das sind hölzerne Schäfte mit Einschnitten, unten aber mit cylindrischen Enden zum Einstecken in die Löcher des Rahmens und heißen bajuvarisch der Gack oder auch die Gack’n, nach Rosegger in Obersteiermark der Gock. Es stellt eine Art stummer Diener [dar], welcher die Pfanne über der Glut hält, höher oder niederer, wie’s notthut. Der historische Sinn wird dieser ganzen Anlage und Einrichtung ein großes Interesse entgegenbringen. — Der Pfannhaber Berchtesgadens ist ein Enkel des Gack«[22]. Diese Beschreibung entspricht völlig der Abbildung, die Meringer, a. a. O. XXIII, S. 143 Fig. 72 davon giebt, und zu der er S. 144 erklärend bemerkt: »Die Gackn ist ein Brett mit einem Zapfen und Schlitzen, bestimmt, die Pfannen schwebend über dem Feuer zu halten... Sie ist etwa 60 cm. hoch, 10 cm. breit und hat etwa drei oder vier Schlitze. Wenn die Pfanne zu tief über das Feuer sinkt, so steckt man einfach ein Stückchen Holz in die Kerbe.«
Das Alter dieses Gerätes auch nur annähernd zu bestimmen, sind wir leider noch völlig außer Stande, das einzige, was mit Sicherheit zu sagen ist, liegt darin, daß der Pfannenhalter kein höheres Alter als die Stielpfanne haben kann, aber eben hierüber fehlen bislang, soviel wir sehen, alle Untersuchungen. Leider haben wir nicht eine einzige Erwähnung unseres Gerätes in der zugänglichen Litteratur finden können, auch Schmeller, der doch zuerst in Betracht käme, kennt es nicht. Ob der nieder- und teilweis mitteldeutsche Name: »kak« mit unserem »Gack« in Verbindung zu bringen ist, können wir nicht entscheiden, jedenfalls bezeichnet er nicht, wie Grimm annimmt, den Pranger schlechthin[23], vielmehr ist der Kaak — nach R. Quanter, Die Schand- und Ehrenstrafen in der Deutschen Rechtspflege (Dresden 1901) S. 114 ff. — ein über ein Wasser hinausragender Schwebebalken, an dessen Ende der unterzutauchende Verbrecher in einem Stuhl oder Käfig etc. aufgehängt wird.
So müssen wir denn einstweilen lediglich das Gerät des Gacks selber sprechen lassen.
Bei der oben erwähnten Stelle S. 144 berichtet Meringer in der Anm. 1: »Leitner sagte mir, es gäbe auch eiserne Gacke und es würden noch jetzt solche gemacht.« Wenn wir danach allein uns von der Entwicklung des Gerätes ein Bild hätten machen müssen, so wäre das nächste gewesen, sie in Vergleich zu stellen mit der Entwicklung ähnlicher Geräte, und wie wir zwischen dem quergelegten Holzscheit und dem eisernen Feuerbock die Steinunterlage als Zwischenstufe gefunden haben, oder wie wir später den Bratspießständer von der einfachen Holzgabel über das steinerne Gerät hinaus zum eisernen sich werden entwickeln sehen, so würden wir auch hier mit ziemlicher Sicherheit zwischen dem hölzernen und dem eisernen Gack als Übergangsstufe den steinernen haben vermuten müssen. Wir würden uns darin nicht getäuscht haben, und wir sind in der glücklichen Lage, alle drei Entwicklungsstufen durch Beispiele belegen zu können. Der Gack scheint sogar das einzige Gerät zu sein, bei dem alle drei Stufen als voll entwickelte künstlich ausgeführte Geräte erscheinen, während bei allen übrigen entweder die erste hölzerne Entwicklungsstufe aus dem natürlich sich ergebenden Gebrauch nur vermutet werden muß, oder andernteils die steinerne Zwischenstufe nicht belegt werden kann. Ethnologisch betrachtet scheint diese Entwicklungsreihe: Holz, Stein, Eisen von großer Bedeutung zu sein, weil es berechtigt erscheint, allen den Geräten, bei denen sie belegt oder mit Sicherheit angenommen werden kann, ein hohes Alter zuzuschreiben, ein Grundsatz, der, wenn er zutrifft, nicht nur für die Altersbestimmung des Pfannenhalters, sondern auch für die der Stielpfanne von entscheidender Bedeutung sein würde.
Wann diese Geräte nach Deutschland gekommen sind, das ist dann freilich eine andere Frage, deren Lösung der Altertumskunde vorbehalten bleibt. Wir wollen, um dem Leser in dieser Beziehung wenigstens das Erreichbare zu bieten, aus Friedr. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache 5. Aufl. 1894, S. 282 den Artikel »Pfanne« hier wiedergeben: »Pfanne fem. aus mhd. pfanne, ahd. pfanna fem. ›Pfanne‹; in gleicher Bedeutung im Westgerm. verbreitet; ndl. pan, angels. pǫnne fem., engl. pan. Die Verschiebung von ndd. p. zu hd. pf. setzt frühes Vorhandensein des Wortes in der Form panna im Deutschen voraus, etwa für das 6. Jahrhdrt. oder wegen der Übereinstimmung des Englischen mit dem Kontinentaldeutschen weit früher; lat. patina ›Schüssel, Pfanne‹ genügt lautlich kaum, um als unmittelbare Quelle der german. Worte zu dienen.« Viel helfen uns diese Ausführungen freilich nicht, denn über die Form der Pfanne sagen sie nichts aus, und über das Verhältnis zu lat. patina scheint man sich auch noch nicht geeinigt zu haben, denn Friedr. Seiler in seinem trefflichen Buche »Die Entwicklung der deutschen Kultur im Spiegel des deutschen Lehnworts« Halle 1895–1900, S. 62, führt die Form panna direkt auf patina zurück.
Fig. 26. Steinerner Pfannenhalter in der Küche des Museums.