Fig. 33. Rost von A.

Ob es auch in Deutschland viereckige eiserne Roste gab, die ornamental ausgestaltet waren, vermag ich nicht zu sagen, die Bestände der Museen müßten darüber Auskunft geben können. Aus Frankreich bildet Havard, a. a. O. S. 1193 Artikel »Gril« unter Fig. 831 und 832 zwei verzierte Roste des 16. Jahrhunderts ab. Ebendort finden sich auch Nachweisungen über silberne Roste des 14.-17. Jahrhunderts, aber auch für diese Art ist mir nicht bekannt, ob sie für Deutschland bezeugt ist. Immerhin scheint es nicht ausgeschlossen, daß das eine oder andere derartige deutsche Stück aus höfischem Gebrauche ausfindig gemacht werden könnte. Dasselbe würde dann vermutlich nach französischem Muster gefertigt sein.

Ein paar besondere Formen des Rostes, den runden und den Doppelrost, mit denen wir uns noch zu beschäftigen haben, bezeugt auch Havard für Frankreich, leider ohne ihr Vorkommen zeitlich zu begrenzen. Das letztere ist mir auch für Deutschland bislang nicht gelungen, vielleicht nur deshalb, weil die flüchtigen Erwähnungen aller dieser Geräte eigentlich nie ein Interesse daran haben, ihre Form näher zu beschreiben. Ich muß mich also darauf beschränken, die im Besitz des Museums befindlichen Stücke namhaft zu machen.

An runden Rosten sind zwei unter sich etwas verschiedene Exemplare vorhanden, von denen das eine, in [Fig. 34] abgebildet, aus der Nähe von Münster i. W. stammt. Der Rost besteht abwechselnd aus geraden und geflammten Eisenstäben, die in einen Ring eingesetzt sind. Er ruht drehbar auf drei Füßen, die — einen sternförmigen Bock bildend — sich in der Mitte vereinigen. Und in dieser Mitte ist der Rost durch einen fest mit ihm verbundenen Eisenstift befestigt, der sich über ihn hinaus zu einem bügelartig geschwungenen Handgriffe fortsetzt. — Der andere runde Rost des Museums, leider unbekannter Herkunft, besteht gleichfalls abwechselnd aus geraden und geflammten Eisenstäben, doch sind dieselben, in Verfolg der natürlich sich ergebenden Komposition, radial angeordnet. Er ruht auf einem vierbeinigen Bocke und trägt in seiner Mitte anstatt des Bügels ein drehbares Fähnchen.

Fig. 34. Westfälischer runder Rost aus der Küche des Museums.

Wann diese runden Roste aufgekommen und aus welchem Bedürfnisse sie erwachsen sind, entzieht sich bislang meiner Beurteilung, und bei diesem Schluß muß es leider auch fast völlig für den Doppelrost verbleiben, von dem uns noch einiges zu sagen überbleibt. »Il faut dire un mot aussi de l’invention plus pratique encore des grils doubles, qui saisissent la pièce ou les pièces entre deux grilles et permettent de retourner tout l’appareil d’un coup«, sagt Havard a. a. O. II, 1194 und bezeichnet damit diese merkwürdigen Doppelroste, die auf vier Beinen ruhen, während sie vier weitere Beine zu abwechselnder Benutzung in die Luft starren lassen. Nach den mir bekannt gewordenen Exemplaren zu urteilen, müssen sie zum rösten verhältnismäßig großer Stücke gedient haben, denn die Zwischenräume zwischen den Roststäben sind so groß, daß kleine Stücke hindurchgefallen sein würden, und da manche Exemplare der Fischgestalt sehr ähnlich sind, zum Teil sogar den Eindruck machen, als ob sie absichtlich die Fischform erhalten hätten, so ist es begreiflich, weshalb diese Roste vielfach als »Fischrost« bezeichnet werden. Einen älteren Beleg für diesen Ausdruck habe ich aber nicht finden können, er wird also wohl erst in jüngerer Zeit von den Archaeologen geprägt sein, und da er die Meinung erweckt, als sei dieses Gerät allein zum Fischrösten verwandt, was doch offenbar nur zum Teil zutrifft, so scheint es rätlich, im Anschluß an Havard die Bezeichnung von »Doppelrost« beizubehalten.

Das Museum besitzt in seiner Küche zwei derartige Doppelroste (vgl. [Fig. 35]), und daß dieses Gerät in Nürnberg nicht gerade selten gewesen ist, beweisen die Bestände der Puppenhäuser, von denen es in B., C. und F. sich findet. —

Fig. 35. Doppelrost aus der Küche des Museums.