Am 7. September ist ein Jahrhundert abgelaufen, seit der Gründer unserer Anstalt, Hans Freiherr von und zu Aufsess das Licht der Welt erblickt hat. Wir konnten und wollten diesen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne durch eine Gedenkfeier der dankbaren Verehrung für den Mann Ausdruck zu geben, der den großartigen Plan eines germanischen Nationalmuseums entworfen und unter unsäglichen Schwierigkeiten ins Werk gesetzt hat.

Die Feier fand am Vormittag des 7. September im prähistorischen Saale des Museums, in dem die Büste des Herrn von Aufseß aufgestellt ist, statt. Es waren zu derselben die Angehörigen der Familie von Aufseß, der Lokalausschuß des Museums und die Spitzen der hiesigen Behörden eingeladen. Der Nürnberger Männergesangverein hatte in dankenswerter Weise sich bereit erklärt, bei der Feier mitzuwirken.

Diese wurde eingeleitet durch den Gesang des Chores: »Alles mit Gott« von Julius Grobe. Die Festrede hielt Direktor von Bezold. Er schilderte in Kürze die politischen und Kulturverhältnisse, unter welchen Aufseß erwuchs und welche seine geistige Richtung, seinen glühenden Patriotismus und seine Begeisterung für Kunst und Wissenschaft bestimmten. Er gab sodann einen Überblick über die Erwägungen und Wünsche, welche in Aufseß die Idee eines germanischen Nationalmuseums, als Mittelpunkt für die deutsche Geschichtsforschung erregten; über seine vielen vergeblichen Versuche, ein solches ins Leben zu rufen und über den endlichen Erfolg. Er deutete auch die Änderungen an, welche das Programm des Museums im Laufe der Zeit erfahren hat. — Was das Museum vor anderen Sammlungen voraus hat, ist die Universalität, mit welcher es alle Gebiete des Lebens deutscher Vorzeit umfaßt, was es groß gemacht hat ist, daß es getragen ist von der Liebe des deutschen Volkes. Es hat nicht nur wissenschaftliche, sondern auch patriotische Bedeutung und es verdankt beides seinem Stifter, dem Freiherrn Hans von und zu Aufseß. In dankbarer Verehrung legte Direktor von Bezold Namens des Museums einen Lorbeerkranz an der Büste des Gefeierten nieder.

Der älteste Sohn des Freiherrn von Aufseß, Herr Regierungsdirektor Otto Freiherr von Aufseß übergab dem Museum eine Abbildung vom Grabmal seines Vaters und legte Namens der Familie vor der Büste einen Lorbeerkranz nieder, ebenso der Enkel Herr Hauptmann Beeg aus München Namens seiner Mutter Frau Marie Beeg, geb. Freiin von Aufseß.

Mit dem Schottischen Bardenchor von Silcher, welchem ein der Feier entsprechender, von Herrn Hofrat Dr. Wilhelm Beckh gedichteter Text untergelegt war, schloß die Feier. Die Gäste machten sodann unter Führung der Beamten des Museums einen Gang durch die Sammlungen.

Mittags vereinigten sich die Angehörigen der Freiherrlich von Aufseß’schen Familie, die Mitglieder des Lokalausschusses und die Beamten des Museums bei einem frohen Mahle.

STIFTUNGEN.

Wir können unsere diesmaligen Mitteilungen mit der hocherfreulichen Nachricht eröffnen, daß uns Se. k. u. k. apostolische Majestät, Kaiser Franz Joseph von Österreich den Betrag von 2000 Kronen zum Ankaufe eines wichtigen Druckdenkmales des habsburgischen Kaiserhauses allergnädigst bewilligt haben. Ferner ging uns als Geschenk dieses erhabenen Monarchen ein Gipsabguß der Bronzefigur des heil. Georg auf dem dritten Burgplatze in Prag zu, der ebenso wie für die Geschichte der Plastik für die Geschichte der Waffen von besonderem Interesse ist.

NEU ANGEMELDETE JAHRESBEITRÄGE.

Se. Königliche Hoheit Großherzog Friedrich August von Oldenburg und Se. Durchlaucht Fürst Heinrich XIV. Reuß j. L. haben dem Museum Jahresbeiträge von je 100 m. gnädigst bewilligt.