Fig. 53. Bratspießständer in der Küche
des Museums. Höhe: 29 cm.; Fuß: 8:15 cm.

Eine besondere Art von Bratspießhalter, die mir nur in diesem einen Exemplar bekannt geworden ist, zeigt ein Stück der Museumsküche, welches ich in [Fig. 54] abbilde, dessen Herkunft leider unbekannt ist. Daß dieses Gerät befähigt gewesen wäre, nach zwei Seiten hin einen Bratspieß zu stützen, wie es auf den ersten Blick scheint, ist doch deshalb nicht anzunehmen, weil gerade dieses Stück sehr leicht, fast möchte ich sagen, zart gebaut ist. Höchstens hätte es ein paar Vogelspieße tragen können. Über seine Herkunft und Gebrauch Auskunft zu geben, bleibt der Volkskunde noch vorbehalten.

Fig. 54. Dreibeiniger Bratspießständer
in der Küche des Museums. Höhe: 31,5 cm.

Die lokale Verbreitung der Bratspießlager ist für Nürnberg, wo sie den Namen »Bratbock« führen, nicht nur durch die genannten Bestände unserer Sammlungen gesichert, vielmehr finde ich sie schon erwähnt in des Joh. Amos Comenius seiner Zeit vielgerühmtem Werke »Orbis sensualium pictus«, welches zuerst im Jahre 1657 bei J. A. Endter’s Erben in Nürnberg erschien, und dessen zweiter Teil, nach Angabe der später »erneuerten Vorrede«, von Wolfg. Christoph Deßler, Conrector der Schule zum Hl. Geist im Neuen Spital zu Nürnberg verfaßt ist. Dort findet sich Bd. II, S. 132 die unzweideutige Angabe: »Brat-Boͤcke, worauf der Spieß ligt. — Crateuterium, ein Brat-Bock«. Der dazu gehörige ziemlich schlechte Holzschnitt auf Seite 130 zeigt einen Bratbock, dreibeinig etwa wie meine Fig. 50. Die Trägerstange ist aber sehr kurz, kaum so lang wie eins der drei Beine, und sie trägt auf ihrer Spitze nur eine Rast für den Bratspieß, wie es scheint in Gestalt einer Öse, während alle Seitenäste fehlen. Wir haben es hier also mit einem sicher bezeugten Nürnbergischen Stücke zu thun. Fernerhin finde ich nun aber auch für norddeutsche Verhältnisse Gerät und Namen zu Beginn des 18. Jahrhunderts belegt bei Marperger a. a. O. S. 652, wo neben den »Brand-Ruthen« noch besonders die »Brat-Boͤcke« als zur Herdausstattung gehörig, aufgeführt werden. Auch in Dänemark ist das Gerät unter dem Namen »bradebuk« üblich[96].

Ältere Belege für die Bratböcke sind mir deshalb leider bislang nicht verfügbar, weil sowohl bei Du Cange wie bei Diefenbach die lateinische Bezeichnung »crateuterium« sich nicht findet.

Fig. 55. Wandbratspießhalter im Puppenhause C.

Wegen der Verwendung der Bratspießlager neigte ich zunächst zu der Annahme, daß sie von der Gestalt des Bratspießes abhängig gewesen sei, indem ich für den Bratspieß mit glattem Griffende nur einen Bratspießhalter, für den Kurbelbratspieß dagegen immer zwei voraussetzte. Daß dieses letztere nicht durchaus richtig ist, zeigt aber unsere Fig. 1 völlig deutlich, wo die Köchin die Bratspießspitze zwar auf den Ständer aufgelegt hat, das Kurbelende dagegen in beiden Händen frei hält und dreht. Andererseits scheint mir aber auch der vorkommende Gebrauch von zwei Ständern sicher erwiesen durch die Erweiterung, welche der in Fig. 39, c abgebildete Bratspieß erfahren hat. Die dort vor der Kurbel angebrachten zwei Ringe können doch wohl nur dazu dienen, den auch am Kurbelende auf einen Ständer gelegten Bratspieß in seiner Lage festzuhalten. Sicher bestätigt wird diese Anschauung durch Joh. Karl Gottfr. Jacobsons technologisches Wörterbuch (Berlin 1781 ff.) welches I, 281a vom Bratspieße sagt: »Wenn er durch die Hand eines Menschen umgedrehet wird, so hat solcher zu mehrerer Bequemlichkeit auf dem vordern Ende nicht allein eine gebogene Kurbel, sondern steckt auch neben diesem in dem Loch eines eisernen Bocks, der dem Spieß zum Fuß dienet, und worinn es als in einer Hülse umgedrehet werden kann. Die Spitze des Bratspießes ruhet auch in diesem Fall auf dem Bratbock«. —