Die Feuerböcke wurden nun in wohlhabenden Verhältnissen vornehmer ausgestattet. Das Material blieb zwar fast immer Eisen, aber auch hier haben wir einen interessanten Beleg dafür, daß fürstliche Ausstattungen silberne Feuerböcke sich leisteten. Im Jahre 1608 kaufte König Christian IV. von Dänemark einem Hamburger Juden zwei derartige Prunkstücke ab, deren Wert durch den Preis von 1850 Thalern genügend klargestellt ist. Der betreffende Vermerk findet sich als Eintrag in des Königs Schreibkalender vom 17. November 1608: »Gav Jacob Moritzsön udi Hamborg for tvende Sölv Brandjern 1850 Dlr.«[98]

Dieser hohe Preis der beiden Stücke kann nicht nur durch das edle Material bedingt worden sein, er muß vielmehr auch in der künstlerischen Ausstattung seinen Grund gehabt haben. In der That sehen wir, daß die Feuerböcke ziemlich früh nach dieser Seite hin eine Veredelung erfahren. Ich habe schon in Fig. 17 ein derartig verziertes Stück abgebildet, und ebenso gehören die betr. Stücke bei Havard, a. a. O. I, 76; I, 818 ff. und III, 239 und bei Vict. Gay, Glossaire archéologique (Paris 1887) I, 362 (Artikel »Chenet«) hierher, die ich noch durch den Hinweis auf ein im South Kensington Museum befindliches sehr schönes italienisches vermehren möchte[99]. Eine Reihe verzierter Feuerböcke finden sich endlich abgebildet bei Meringer, Mitt. d. Anthrop. Ges. Wien XXV, 57 ff. Fig. 97–101, unter ihnen das bereits erwähnte Stück aus dem Besitze des Grafen Wilczek, welches mit seinen beiden Seitenbügeln in zwei sehr graziöse Hirschköpfe ausläuft. Mit diesem letzteren nahe verwandt, in der Form zwar bei weitem nicht so fein, aber immerhin reichlich interessant, ist ein Exemplar, welches sich früher im Besitze des Herrn Georg Hirth in München befand[100], dessen freundlichem Entgegenkommen ich es verdanke, daß ich es in [Fig. 57] abermals abbilden kann. Obwohl aus dem Bilde nicht deutlich ersichtlich, konnte es für den Kenner von vorn herein nicht zweifelhaft sein, daß es sich um ein vierbeiniges Stück handelt, welches quer in den Kamin gestellt wurde, dessen vorderen Rand gegen das Zimmer hin gewissermaßen begrenzend. Herr Hirth hat mir das gütigst bestätigt, leider konnte er aber weder über die Herkunft noch über den jetzigen Besitzer eine Angabe machen. Die Höhe beträgt 67, die Länge 65 cm.

Fig. 57. Feuerbock mit Hirschköpfen, Höhe 67 cm., Breite 65 cm.
Früher im Besitz des Herrn Georg Hirth in München.

Alle diese erwähnte Ausstattung nun aber ist lediglich Verzierung und betrifft wohl meist den Feuerbock als Kamingerät, wie z. B. Joh. Karl Gottfr. Jacobsons technologisches Wörterbuch I, 274 von den »Brandböcken« ausdrücklich sagt: »die, so man in die Kamine stellt, pflegen an dem vordern Ende mit messingenen Kugeln und andern Figuren verzieret zu sein.« Daß dies indessen auch am Feuerbock als Herdgerät sich findet, ersehe ich aus einem Aufsatz »Das westfälische Bauernhaus«, in welchem J. B. Nordhoff (»Westermanns Monatshefte« 1895 Bd. 78, S. 241) berichtet: »Über dem Feuer hiengen an dem »Wendebaum« (Wendsuse) als Topfhalter (Hoal) lange sägeförmige Eisenplatten mit Messingknöpfen, eingeschlagenen Ornamenten und Schriften; am Boden standen schwere Feuerböcke (Brandruten), worauf ein knorriges Holz (Knuppen) verglomm. Sie endigten vorn oft in einem starken Tier-(Löwen-)Körper, welchen der Verfasser in seiner Kinderzeit wieder und wieder hockend umklammerte, um sich am Feuer zu erwärmen.« Jene Verzierungen aber hatten mit der Herrichtung des Feuerbockes zum Bratspießlager durchaus nichts zu thun. Auf diese letztere richten wir nunmehr unsere Blicke.

Fig. 58. Adaptierter Feuerbock aus dem Puppenhause F.

Genau in derselben Weise wie an dem in [Fig. 56] abgebildeten Dreifuß durch seitliche Anbringung eines Hakens die Unterlage für den Spieß geschaffen wurde, ereignete es sich auch beim Feuerbocke. Die Adaptierung desselben geschah wohl sicher zuerst nur in der Weise, daß auf der Spitze des einen Seitenbügels zwei lyraförmig gebogene Äste aufgesetzt wurden, wie sie uns auf der Spitze des in [Fig. 46] dargestellten Bratspießständers bereits begegneten. Diese einfachste Art finden wir an dem Exemplar von F. (vergl. [Fig. 58]), sowie an einem Stücke in der Küche des Museums [H. G. 5736]. Außerdem aber hat man auch beide Bügel des Bockes mit dieser Gabel versehen oder endlich die verlängerten Bügel mit mehreren Seitenästen ausgestattet. Ob diese Erweiterungen nun am dreibeinigen einbügeligen oder am vierbeinigen zweibügeligen Bocke erscheinen, ob sie in Gestalt eines Hakens oder einer ausgebogenen Öse[101], oder eines Knopfes — wie in der von Wright a. a. O., S. 378, Nr. 249 reproduzierten Miniatur des 15. Jahrh. — ob sie endlich schlicht und einfach oder in formaler Verzierung auftreten[102], immer dienen sie einzig und allein dem Zwecke, ein Lager für die Bratspieße zu schaffen, und immer sind sie so angebracht, daß die Spieße quer von der Seite — also genau in derselben Richtung wie die Holzbrände — auf den Bock gelegt werden. Auch Meringer, der zuerst von den deutschen Hausforschern die Hausgeräte mit der nötigen Wissenschaftlichkeit behandelt hat, ist längst zu dieser Erkenntnis gelangt[103], nachdem er zunächst verzeihlicher Weise in dieser Beziehung in die Irre gegangen war.

Recht interessant ist das, was Jacobson a. a. O. I, 280a über den adaptierten Feuerbock sagt, den er im Gegensatz zum »Brandbock, Brandruthe, Brandeisen« schlechthin als »Bratbock« bezeichnet: »Bratbock ein eisernes Gestelle, welches aus zwey nach einem rechten Winkel zusammengesetzten Stangen bestehet, wovon die horizontale auf vier niedrigen Füßen ruhet. An der senkrechten Stange sind entweder Haken der Länge nach, einer über dem andern angeschmiedet, oder es hat auch wohl die Stange Löcher übereinander. Auf den Haken sowohl als in den Löchern ruhet die Spitze des Bratspießes, und drehet sich darinn um. Es können verschiedene Bratspieße übereinander gelegt und zugleich darauf gebraten werden. Die einfachsten Bratböcke haben nur einen eisernen Fuß, und auf diesen eine senkrechte eiserne Stange mit verschiedenen Löchern.«