In den vorstehenden Ausführungen glaube ich die Herdgeräte, soweit sie wenigstens für Nürnberg in Betracht kommen, in lückenloser Reihenfolge zusammengestellt zu haben. Ihre technische Herstellung und ihren Gebrauch im häuslichen Leben habe ich nach den mir bekannten Quellen zu schildern versucht, und jeder moderne Mensch wird der Meinung sein, daß damit alle ihre für uns interessanten Beziehungen erschöpft seien. Dennoch haben wir ein Gebiet, in dem sie ebenfalls eine nicht unbedeutende Rolle spielten, fast noch gar nicht berührt. Denn mehr als im 20. Jahrhundert hatten die Menschen in vergangenen Tagen ein, fast möchte ich sagen, persönliches Verhältnis zu ihrem Hausgerät, insofern dasselbe nicht nur dem täglichen Gebrauche diente, sondern auch vielfach zum Träger mannigfaltiger Glaubensbeziehungen geworden war. Also auch in mythologischer Hinsicht bietet die Betrachtung der Herdgeräte übergenug des Interessanten. Leider aber bin ich zur Zeit außer Stande, in dieser Beziehung eine auch nur einigermaßen befriedigende Zusammenstellung zu geben, und wenn ich im folgenden einige Bemerkungen darüber wage, so bitte ich dieselben nur als einen Nachtrag zu dem aufzufassen, was E. H. Meyer, Deutsche Volkskunde (Straßburg 1898) S. 67 ff. und Meringer a. a. O. XXI, 147 ff. bereits über diesen Gegenstand dargeboten haben.

Über die mythologischen Beziehungen des Herdes sind schon in den einleitenden Bemerkungen einige Worte gesagt. Als vorbedeutend beachtete man, wie das Feuer des Herdes brennt.[114] Der Herd ist der Sitz der Geister.[115] Demgemäß haben besonders die Hexen nahe Beziehungen zu ihm. Jedermann weiß, daß der Hexenritt durch den Schornstein führt, wobei u. a. der Besen, der Feuerhaken oder auch die Ofengabel als Reitpferd dienen.[116] Auch noch in anderer Beziehung gebrauchen die Hexen das letztgenannte Gerät: »die Ofengabel soll man nicht im Ofen lassen, sonst können die Hexen täglich einen Ortsthaler aus selbigem Hause holen.«[117] Ebenso berichtet Grimm W. B. II, 1381; im Anschluß an Panzers »Bairische Sagen« über den Dreifuß als Hexeninstrument: »Der Aberglaube unserer Zeit bringt den Dreifuß, wie den Drudenfuß in Verbindung mit den Hexen. Wenn eine Krankheit unter den Gänsen ausbricht, brät man eine kranke Gans lebendig auf einem Dreifuß, weil die Hexe, welche die Krankheit veranlaßt hat, solche Schmerzen erleidet, als ob sie selbst im Feuer läge.« In diesem Zusammenhange darf ich ferner die Verwendung des Kesselhakens beim zauberhaften Heilverfahren gegen die Pest nicht unerwähnt lassen, die wir (vergl. Grimm, Mythol. 4 II, 993) aus dem Munde des Geistes der Pestkrankheit selbst vernehmen: »Der Pest gab im ein Lehr, er solt... sich nackend ausziehen und überal kein Kleid an seinem Leibe haben, und sol sein Kesselhaken nehmen, forne aus seim Haus ausgehen mit der Sonnen umb sein Hof erumb laufen, den solte er unter der thürschwelle vergraben.« Grimm bemerkt dazu: »Das Wegschaffen des Kesselhakens vom Herde scheint Auflassung des Hauses auszudrücken...« Wie der abtretende, ausziehende Eigenthümer symbolisch »das haal auf dem herde nieder schürzet,« so muß es der neue Besitzergreifer »aufschürzen

Das Museum besitzt ein handschriftliches Kunst- und Zauberbuch des 17. Jahrh. (Hs. 41, 125. 4o. 486 Seiten), dessen 11. Kapitel »von Hexen und Bezauberungen« handelt, gegen die 11 verschiedene Gegenmittel und Rezepte mitgeteilt werden. In denselben nun spielt nicht nur das Kochen, Braten oder Verbrennen von allerhand unerquicklichen Sachen eine große Rolle, sondern auch Herd und Herdgerät werden selbst als wichtige Hilfsmittel dabei benützt. Die drei hauptsächlich dahingehörenden Abschnitte teile ich im folgenden mit.

(Nr. 2. S. 213.) »Dehme, wer bezaubert ist, zu helffen. Der nehme ein Schweins Blaase, thue darein des patienten Urin, undt laße den Halß der Blaasen unterwerts zue gebunden hengen undt befestige sie oben mit einem Fahdem undt henge sie in einem Camin, dar viel rauches ist, und laß sie also hengen und allgemehlig alß dieß mit einander vertrucknet, so vergehet die Zauberey undt wirt allgemehlig beßer....« (Folgen besondere Vorschriften wegen der Schweinsblase).

(Nr. 9. S. 224.) »Ein ander wiszenschafft, das keine Hexe auß dem Hauße gehen kan. So gehe hin still schweigens, undt henge den keßelhaken über den Feur 3 Haken höher auf, alß er zueuohr gehenget hat, darnach so nimb ein Kreutzseßling, unndt stich den vnter die Schwellen deß Haußes, da die Hexe wiederumb auß gehen muß, vnndt fürs dritte, so lege Ihr gleichfals, doch stillschweigens der Hexen, das sie es nicht gewar werde, hinten auff den Rogk, recht vnter den Wammeß 3. Heuflein salz, vnndt laß die liegen. Vnndt wan dieses geschehen, ists der Hexe vnmüglich auß dem Hauße zue gehen, wans ihr auch den Halß kosten solte. Eß sei dan daß der Keßell Hake wieder hervnter, der Kreutz Sechßling vnter der Schwellen weg genommen, vnndt das saltz der Hexen vom Leibe abgeschlagen werde, wie Ichß selbst probiret habe.

Etzliche andere setzen einen neuwen Besemb achter die thüer, das es die Hexen nicht gewahr werden, vnndt halten auch gewiß dafür, daß Sie alß dan nicht können auß dem Hauße gehen, man nehme dan den besem wieder wegk.«

(Nr. 10. S. 226.) »Wie die Hexen mit Meßeren, da einer mitt gegeßen hat, den Menschen vergehen laßen. Sie nehmen des Menschen meßer, welchen Sie bezaubern willen, undt stechen daßelbige Meßer in einen Camin, da viel Rauches täglich ist, So sol der Mensche vergehen, vnndt vertrucknen, wie der tag, undt endtlich schwintsuchtig werden, Darumb soll einer sein meßer Woll in acht nehmen, Dieß habe ich von Hexen bekennen gehöret, datz Sie es guthwillig auszgesaeget ohne Tortur.«

Daß man sich gegen solch unheimliches Wesen zu schützen suchte, ist selbstverständlich, und ich möchte es dazu in unmittelbaren, gegensätzlichen Zusammenhang bringen, wenn die verschiedenen Herdgeräte mit christlichen Emblemen geschmückt erscheinen. Unzweifelhaft ist hier meines Erachtens der in Fig. 30 dargestellte Kesselhaken zu nennen, denn die auf demselben dargestellte Frau mit dem Kinde auf dem Arme halte ich für nichts anderes als für Maria mit dem Jesusknaben. Ebenso mache ich auf das an dem Regensburger steinernen Bratspießlager (Fig. 45) eingedrückte Kreuz aufmerksam. In diesen Verzierungen sehe ich eine Art Anrufung des göttlichen Schutzes gegen Hexenspuk und Zauberwesen, zu dem Herd und Herdgerät gebraucht werden können, und für das sie durch christliche Zeichen unbenutzbar gemacht werden sollen. —


Wir sind am Ende. Wenn ich in diesen Aufsätzen mich trotz der Überschrift nicht nur auf Nürnberger Verhältnisse beschränkte, so hoffe ich damit nicht allzuschwer gefehlt zu haben. Allein ich wollte mich bei der Wahl des Titels lieber dem Vorwurfe aussetzen, die selbst gesteckten Grenzen überschritten zu haben, als daß ich in den Fehler so vieler moderner Gelehrten verfiele, die mit laut schreiendem Titel mehr versprechen als sie halten wollen oder können. Dazu kommt, daß man über — lokale oder zeitliche — Erscheinungen auf einem bestimmten Gebiete nicht wohl reden kann, so lange nicht die Grundlagen im allgemeinen geklärt sind. Die deutschen Hausalterthümer sind aber in so vielfacher Beziehung noch von wissenschaftlicher Erforschung unberührt geblieben, daß bei den meisten von uns besprochenen Geräten ein Eingehen auf ihre allgemeine Entwicklung unvermeidlich erschien. Sollte es mir gelungen sein, zu zeigen, daß auch die Behandlung solch geringfügiger Gebrauchsstücke wie der Herdgeräte nicht ohne Interesse ist, so würde es mich freuen, damit zugleich auch der Anerkennung der deutschen Altertumswissenschaft als solcher ein wenig gedient zu haben. Wo aber in meinen Darstellungen sich noch Lücken ergeben haben, da kann ich nur an alle, die es angeht, die Bitte richten, selbst mitzuarbeiten oder wenigstens mich durch gütige Mitteilungen zu unterstützen. Ich werde dieselben gern und dankbarst am rechten Orte verwenden. Ohne die thatkräftige Unterstützung der Lokalforschung läßt sich eben deutsche Archäologie nicht betreiben, und jeder Mitarbeiter ist hier sehr willkommen ebenso wie bei der deutschen Volkskunde, ohne welche die deutsche Altertumswissenschaft überhaupt nicht zu denken ist.