BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1868.

Nº 6.

Juni.


Chronik des germanischen Museums.

Nürnberg, 15. Juni 1868.

Der gleichmäßige Fortgang in der inneren Entwickelung unserer Nationalanstalt erfreut sich stets des Beifalls aller, die derselben ihre Aufmerksamkeit zuwenden, und der ruhige Ernst wie der unverdrossene Eifer, der alle Mühen überwindet, findet die Anerkennung, die sich in Thaten ausspricht, deren wir sodann in unserer Chronik zu gedenken haben. Wie kaum je ein Monat vorübergegangen ist, der uns nicht die Pflicht auferlegt hätte, dankbar einer Reihe von Gönnern und Wohlthätern zu gedenken, so haben wir auch in diesem Monat wieder besonderen Grund, Dank nach verschiedenen Seiten hin auszusprechen.

Se. Majestät König Ludwig II. von Bayern, welcher der Anstalt nicht blos die Versicherung gegeben, ihr dieselbe liebevolle Pflege widmen zu wollen, die sein Großvater König Ludwig I. ihr zugewendet, hat, da leider noch immer die finanziellen Mittel nicht mit den Bedürfnissen im Fortschreiten übereinkommen, der Anstalt eine sehr erhebliche Erleichterung verschafft, indem er den Betrag von 1400 fl. als Kaufschilling für das kostbare Gemälde, dessen wir in Nr. 11 des vorigen Jahrganges gedacht haben, auf seine Privatkasse übernahm. Se. Majestät hat gestattet, daß dies Gemälde ausdrücklich als sein Allerhöchstes Geschenk bezeichnet und in demselben den Besuchern der Anstalt ein sicheres Zeugniß Allerhöchsten Wohlwollens für die Anstalt gegeben werde.

Eine große Anerkennung ist dem german. Museum in jüngster Zeit im Reichstage des norddeutschen Bundes zu Berlin zu Theil geworden, indem ein Antrag des Herrn Grafen von Frankenberg: dem Bundeskanzler die Nationalanstalt zur Unterstützung zu empfehlen, mit großer Majorität angenommen worden ist, nachdem mehrere ausgezeichnete Redner von verschiedenen Seiten des Hauses, die Herren: Freiherr Nordeck zu Rabenau, Twesten, Gebert, v. Hennig, Miquel, Dr. Harnier, v. Vincke (Olbendorf) warm für die Anstalt gesprochen.