Eine Notiz über die alten Fastnachtspiele.

Theatralische Vorstellungen, Sing- und andere Spiele, wozu der Stoff größtentheils dem alten Testamente und anderen Historien entnommen wurde, fanden schon in den Stifts- und Klosterschulen des Mittelalters eine fleißige Pflege; und als nach ihrem Vorgange später auch Pfarr- und andere Schulen errichtet wurden, sind diese dem Beispiele der alten gefolgt, die heiligen und nicht heiligen Zeiten als Gelegenheit zu ihren Spielen und Vorstellungen benützend. Nicht immer wurden dieselben blos in geschlossenen Räumlichkeiten aufgeführt; seit der Mitte des 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts treten die Schüler als Acteurs auch in die Oeffentlichkeit — auf die Gasse. Besonders waren die lustigen Fastnachtspiele sehr beliebt. Solche wollten um das Jahr 1520 auch von den Schülern am hl. Geistspitale zu Nürnberg aufgeführt werden. Sie baten den Rath um Erlaubniß dazu. Weil aber mancher Unfug und manches Aergerniß bei diesen Spielen zum Vorschein gekommen, war der Rath der Aufführung derselben nicht sehr gewogen. Deshalb versprachen die Schüler, sie wollten ihr Spiel blos treiben an den Orten, dahin sie gefordert würden, und sie wollten es in züchtiger Weise treiben. Hier ihre Eingabe:

„Fürsichtigen erbern vnd weysen, gonnstigen lieben herrn! Vnns langt ane, wie e. f. w. tzu dieser freidenreichen tzeit nach alter loblichen gewonnhayt vnd herkomen dieser stat Nürmberg tzu ainer besundern frewde vnd ergetzlichkayt gemeyner stat den fleischhackern tzu danntzen vnd im schenpart zulauffen[132], auch andern freidenreiche spill zutreyben erlawbt vnd vergont haben. Nun haben wir auff ansinnen etlicher herrn vnd erbern burger dieser stat ain kurtzweylichs spill in reymen fürgenommen vnd nyndert dann an den orten, do wir sunderlich gefodert vnd gepetten werden, tzutreyben. Es ist auch solchs durch vnns an den fürsichtigen, erbern vnd weisen hern Anthoni Tucher, pfleger e. w. newen spitals, gelangt, der vnns dann tzu antwurt geben, er hab solchs ane e. f. w. wissen nit zuerlawben noch tzuuergonnen; ist an e. f. w. vnnser gantz vnnderthenig bit, vnns solche kurtzweyl vnd spill gonstiglich tzuerlawben, wann wir solchs tzüchtiger weis treyben; wollen wir vmb e. f. w. mit vnsern gehorsamen willigen dienst altzeit tzuuerdienen willig vnd geflissen sein.

E. f. W.
willige gehorsame
die chorales des newen spitalls.“

Nürnberg.

Baader.


(Mit einer Beilage.)


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