1868.
Nº 7.
Juli.
Chronik des germanischen Museums.
Nürnberg, 15. Juli 1868.
Die Reisezeit, in diesem Jahre vom angenehmsten Wetter begleitet, hat die Reiselust geweckt, und so ist in diesem Jahre wieder der Besuch der Sammlungen durch Fremde ein sehr lebhafter. Viele langjährige Freunde der Anstalt kommen, um sich persönlich von dem Zustande und dem Fortgange derselben zu überzeugen, und wir hoffen, daß aus den Eindrücken, die sie mitnehmen, und dem dabei stattfindenden Verkehre mit dem Vorstande und den Beamten des Museums manches erfreuliche Resultat für unsere Anstalt erwachsen wird. Wir freuen uns, constatieren zu können, daß diejenigen, welche in der Lage sind, den jetzigen Zustand mit dem früherer Jahre zu vergleichen, einen entschiedenen Fortschritt erkennen.
Ein solcher Fortschritt macht sich in diesem Jahre allerdings durch die geführten Bauten deutlich erkennbar, die uns mehrere große, helle Lokalitäten gegeben und zu einer Aufstellung mancher Theile der Sammlungen Veranlassung gegeben haben. Auch die Sammlungen selbst, von denen wir mehrere Monate nicht gesprochen haben, wurden durch eine Anzahl wichtiger und wesentlicher Gegenstände bereichert. Die Sammlung von Abgüssen mittelalterlicher Grabdenkmale erhielt eine Bereicherung durch mehrere merowingische und karolingische Denkmale; die Sammlung von Abgüssen architektonischer Ornamente wurde bei ihrer neuen Aufstellung durch manche Stücke erweitert.
Die neue Aufstellung der Waffensammlung hat für diesen Zweig gezeigt, wie wichtig selbst sonst unscheinbare Gegenstände sind, wenn sie zu einander in richtige Beziehung gebracht werden. Diese Beziehungen wurden durch eine Reihe von Zeichnungen hergestellt, die den Entwicklungsgang der Rüstungen von der römischen Periode durch das ganze Mittelalter hindurch bis zu den Cuirassieruniformen unserer Armeen verfolgen lassen, und so zeigen, welche Bedeutung die einzelnen Rüstungen und Rüstungstheile der Sammlung haben. Aehnliche bildliche Reihenfolgen sollen auch ferner auf anderen Gebieten belehrend und erklärend eingeführt werden. Die Sammlung von Webereien und Stickereien wurde durch einen großen Teppich aus der Zeit Maximilian’s I., eine Scene aus dem Leben der Waldmenschen darstellend, sowie mehrere Stickereien vermehrt; ein schönes großes Messer aus dem 14. Jahrhundert, einige mittelalterliche und spätere Gläser, welche Lücken unserer Sammlungen ausfüllen, kamen zu den betreffenden Abtheilungen hinzu.
Für die Sammlung vorchristlicher Alterthümer ist uns ein werthvoller Zuwachs geworden durch eine Anzahl bemalter Abgüsse interessanter Objekte aus Böhmen, welche die Gesellschaft des böhmischen Museums zu Prag uns zum Geschenke gemacht hat, sowie durch eine Anzahl bemalter Abgüsse fränkischer Schmuckgegenstände aus dem röm.-german. Centralmuseum zu Mainz.