Mit dem kürzlich erschienenen dritten Theil ist diese erste, glänzend gedruckte Gesammtausgabe abgeschlossen. In seiner Einleitung behandelt der bekannte Literaturhistoriker Leben und Schriften des Dichters, seine Charakteristik, Sprache und Darstellung, die Ausgabe der einzelnen Dichtungen (nicht überall vollständig) und deren dichterische Behandlung, endlich die Gegner Fischart’s. Der erste Theil enthält: „Nachtrab“, „Der Barfüßer Secten und Kuttenstreit“, „Von S. Dominici Leben“; dazu Lesarten und Anmerkungen. Der zweite Theil: Flöhhaz, das Glückhafte Schiff, das Jesuitenhütlein, die Reimsprüche zu den biblischen Figuren und „Die Gelehrten die Verkehrten“. Der dritte Theil die poetischen Folioblätter und die in Prosaschriften zerstreuten Reimstücke. Zuletzt Wörterverzeichniß. Eulenspiegel fehlt ganz. Bisher noch Unbekanntes findet sich nirgends. Dagegen sind die Anmerkungen reich an interessanten Vergleichen, wie sie sich meist aus französischer Quelle ergaben. Um Fischart als Dichter schätzen zu lehren, dazu reicht diese Ausgabe völlig hin; aber des Mannes fester politischer Charakter, einer der edelsten unserer Vergangenheit, will aus seinen prosaischen Schriften, deren er wenigstens sechzehn in Uebersetzung oder mit Einleitung herausgab, erkannt werden.
E. W.
2) Altarschmuck. Ein Beitrag zur Paramentik in der evangelischen Kirche von Lic. Moriz Meurer, Pfarrer zu Callenberg bei Waldenburg im Königr. Sachsen. Leipzig, Dörffling u. Franke. 1867. B. 99 Stn.
Nach Vorgang der katholischen Kirche beginnt endlich auch der Protestantismus die äußere Ausstattung seiner Cultstätten wieder in’s Auge zu fassen und auf eine würdigere Herstellung derselben zu dringen. Gegenüber der mehr und mehr eingerissenen Formlosigkeit des Gottesdienstes wird die geschichtliche Thatsache geltend gemacht, daß jene keineswegs ursprüngliche Einrichtung, noch Absicht der Reformatoren, sondern nur allmählich sich herausstellendes Ergebniß gewisser allgemeiner Zeitströmungen gewesen, und daß vor der herrschenden Achtlosigkeit die vollkommene Berechtigung bestehe, was früher ein gesundes Gefühl eingegeben, jetzt mit richtiger Erkenntniß zurückzuführen. Der Verfasser des oben genannten kleinen Werkes fügt durch dasselbe den Verdiensten, die er sonst schon nach dieser Richtung hin sich in hervorragender Weise erworben, ein neues hinzu. Das Buch hat eine durchaus praktische Tendenz, verzichtet deshalb von vorn herein auf neue, weitergehende Forschungen, faßt vielmehr an der Hand bewährter Fachmänner die bisherigen Ergebnisse der Wissenschaft übersichtlich zusammen und tritt selbständig in Ziehung der Grenzen auf, innerhalb welcher die evangelische Kirche auf Grund ihres Bekenntnisses sich den allgemeinen Strebungen anzuschließen habe. Einige Capitel sind praktischen Fingerzeigen gewidmet.
v. E.
3) Uebersichtliche Darstellung der Geschichte der kirchlichen Dichtung und geistlichen Musik von H. M. Schletterer, Kapellmeister in Augsburg. Nördlingen. Druck und Verlag der C. H. Beck’schen Buchhandlung. 1866. 8. 323 Stn.
Die Geschichte der kirchlichen Dichtung ist, für sich allein oder im Zusammenhange mit der ganzen Literatur, mehrfach behandelt worden, meistens aber vom Standpunkt der Sprachkunde oder der Dichtung im engeren Sinne. Ihre Bearbeitung in der kundigen Hand eines Musikers von Fach muß eine ganz andere Gestalt gewinnen und Momente zur Würdigung bringen, die anderswo eine ihrer Bedeutung entsprechende Geltung schwer finden können. Denn in der ganzen Entwicklung der kirchlichen Dichtung liegen lange und zum Theil sehr wichtige Perioden, in welchen der Inhalt mit der Form schwer ringt und durch die Sprache nur einen geringen Theil seiner selbst zur Offenbarung bringt. Erst im Zusammentritt mit der musikalischen Durchführung ersteht das vollkommene Kunstwerk und enthüllt die ganze Tiefe und Bedeutung seines Wesens. — Der Verfasser beginnt mit dem geistlichen Lied und dem Kirchengesange in den ersten Jahrhunderten des Christenthums und führt in getrennter Betrachtung, doch stets festgehaltener Wechselbeziehung der beiden, ihre Geschichte durch die Zeiten des h. Ambrosius Gregor’s des Gr., sowie der Perioden vor und nach dem Reformationszeitalter bis zur Gegenwart, indem er für die letzten Jahrhunderte der kirchlichen Tonkunst ein besonderes Augenmerk zuwendet und am Schlusse die angestrebte, hie und da bis zu den bekannten Gesangbuchstreitigkeiten ausartende Wiederherstellung des Kirchengesanges näher berührt. Wie im ganzen Buche sich die Arbeit des bewährten Fachmannes bekundet, die den Stoff innerhalb der gesetzten Grenzen vollkommen bewältigt, so wird der Werth derselben durch die Wärme des Vortrags erhöht, die vorzüglich geeignet ist, auch den Laien heranzuziehen und zu seinem Vortheil ihm Interesse für einen Gegenstand einzuflößen, der die wichtigsten Momente unserer geistigen Entwicklung enthält.
v. E.