Solche redende Siegelbilder, die zum Theil als sphragistische Beizeichen dienten, sind später häufig theils wirklich als Wappenbilder angenommen, theils irrthümlich dafür angesehen und ausgegeben worden.

Ohne den kleinen Wappenschild würde man im vorliegenden Falle um so eher versucht gewesen sein, bei dem Strauß auf ein redendes Wappen zu schließen, als es mehrere Familien dieses Namens gibt, die ein solches führen[155].

Man muß daher bei der Blasonnierung solcher Bilder sehr vorsichtig sein.


Geistliche Scherze des Mittelalters.[156]

VI.

Ein beliebter Gegenstand der mittelalterlichen Reimverse waren die kampfartigen Wechselreden, zu denen namentlich auch der Streit des Weines mit dem Wasser um den Vorzug gehört. Solch ein längeres strophisches Gedicht hat Thomas Wright mitgetheilt: The Latin Poems commonly attributed to Walter Mapes (London, 1841), p. 87–92, und Jacob Grimm (Kleine Schriften 3, 78) gibt aus einer venetianischen Handschrift Proben einer Version mit allerlei kleinen Abweichungen. Unser Freund Huseman hat sich diesen Stoff auch nicht entgehen lassen (Fol. 206); aber die Abweichungen seines Textes sind viel bedeutender, die Folge der Strophen eine ganz andere. Doch ist wieder die Uebereinstimmung zu groß, um einen neuen Abdruck des langen Gedichtes rathsam zu machen; der Eingang lautet hier so:

Somnium prodigiosum de Vino et Aqua mutuo litigantibus pro dignitatis apice.

Historia.