4) Die alte Kölner Dombibliothek befindet sich, seitdem sie von Darmstadt an Preußen ausgeliefert und dem Domkapitel zu Köln zurückgegeben ist, in einem feuerfesten Local des erzbischöflichen Priesterseminars daselbst hinter Schloß und Riegel, der Erlösung harrend, die ihr auf den ausdrücklichen Wunsch des Ministers durch Dr. Jaffé in Berlin in der Form eines Katalogs und der Publication der in ihr enthaltenen Inedita zu Theil werden soll. Das Kapitel wird durch den Umbau der Domsakristei, beziehungsweise den Anbau eines Kapitelsaales und Archivraums geeignete Räumlichkeiten für die Aufstellung der Bibliothek herstellen.

(Dies. Nr. 1277.)

5) Der Erzbischof von Köln hat folgende Preisaufgabe ausgeschrieben: „Wir wünschen, daß eine treue Kirchengeschichte der Erzdiöcese Köln im Anschluß an die Reihenfolge ihrer Bischöfe und Erzbischöfe in möglichster Kürze und populärer Darstellung ausgearbeitet werde, unter Zugrundelegung zuverlässiger Nachrichten, deren Quellen zu notieren sind. Die politischen Thaten und Ereignisse aus dem Leben der Bischöfe und Erzbischöfe oder der Landesgeschichte dürfen zwar nicht ganz mit Stillschweigen übergangen, sollen jedoch nur insofern berührt werden, als es für die richtige Darstellung des betreffenden Charakters oder der Kirchengeschichte des Erzbisthums selbst nöthig oder nützlich erscheint. Auf richtige Chronologie ist vorzüglich Sorgfalt zu verwenden“. Drei Jahre, vom 8. December 1867 an, sind als Frist angesetzt, binnen welcher die Arbeit vorgelegt werden muß; der Preis für die beste Leistung beläuft sich auf 400 Thlr., für die nächstbeste auf 200 Thlr. Die beste Arbeit muß durch den Druck veröffentlicht werden; das Verlagsrecht bleibt dem Verfasser ungeschmälert.

(Dies. Nr. 1280.)

6) Die bekannte „Wiltener Meistersängerhandschrift“, über welche Professor Dr. J. V. Zingerle in Innsbruck einen besonderen Bericht veröffentlicht hat, ist von der Münchener Hof- und Staatsbibliothek erworben worden. Die Handschrift besteht aus 176 Blättern in Kleinfolio, ist im 15. Jahrhundert geschrieben und befand sich Ende des 16. Jahrhunderts im Besitz der Wolkensteiner. Auch die Meraner Fragmente der Eneit von H. v. Veldeke gehören seit kurzem der Bibliothek in München an und werden demnächst in den Monatsberichten der dortigen Akademie erscheinen.

(Allg. Ztg., Beil. Nr. 354.)

7) Bei Troß in Paris erscheint eine Serie von altfranzösischen Dichtungen. Der Schatz des Ungedruckten ist in den Pariser Bibliotheken noch auf lange ergiebig. Das neueste, von H. Michelant besorgte Werk ist ein Roman d’aventures aus dem 13. Jahrhundert: „Blancadin und Orgueilleuse d’amour“, in etwa 6000 Kurzzeilen, in der Art des „Guillaume de Palerme“, „Richard le bel“ u. s. f. gehalten. Kritische Behandlung und äußere Ausstattung sind anerkennenswerth. Vom Herausgeber, bekannt als kaiserlicher Bibliothekar in Paris, ist für den Literarischen Verein in Stuttgart eine Ausgabe des Romans vom Ritter Cifar angekündigt.

(Ill. Ztg. Nr. 1280.)

8) Das Kaiserhaus zu Goslar wurde bekanntlich von der Stadt dem König Georg zum Geschenk gemacht, und die von ihm angeordnete gründliche Restauration des Gebäudes ist von der preußischen Regierung aufgenommen und fortgesetzt worden. Die Untersuchungen von Kunst- und Bauverständigen haben außer Zweifel gestellt, daß der vom Kaiser Heinrich III. um 1050 unternommene Bau im großen Ganzen in dem gegenwärtig vorhandenen Gebäude ziemlich vollständig erhalten ist, und daß der nunmehr wieder freigelegte große Saal die im 11. bis 13. Jahrhundert in Goslar abgehaltenen Reichsversammlungen in sich hat tagen sehen. Auch die frühere kaiserliche Hauskapelle ist wieder aufgefunden in dem unter dem Namen „Gefängnißthurm“ als Haftlocal benutzten Gebäude.

(Dies. Nr. 1277.)