September.


Chronik des germanischen Museums.

Nürnberg, 15. September 1868.

Der Lauf des Jahres führt uns nun wiederum zur Jahresconferenz, die auch diesmal soll durch eine Siebener-Commission abgehalten werden, und für welche der Termin auf den 28. September festgesetzt worden ist. Wenn auch hervorragende prinzipielle Fragen nicht auf der Tagesordnung stehen, so ist doch durch die Prüfung des im Laufe des Jahres Geleisteten, sowie durch Festsetzung des Etats für das folgende Jahr Veranlassung gegeben, der Frage, in welcher Weise zunächst an Lösung der großen Aufgabe weiter gearbeitet werden soll, besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Mit der Versammlung wird sich wol die Eröffnung des nunmehr ausgebauten Kreuzganges verbinden lassen und zugleich ein Gesammtüberblick über alle im Laufe des Jahres neugewonnenen Räumlichkeiten, wie auch über die dadurch nothwendig gewordene Umstellung der Sammlungen geboten werden können. Auch soll die gänzlich umgearbeitete und reich illustrierte neue Auflage des Wegweisers durch die Sammlungen bis dahin vollendet vorliegen.

Von Erwerbungen heben wir hervor: eine Reihe von Gipsabgüssen interessanter Skulpturen, ein emailliertes Crucifix vom Schlusse des 13. Jahrh., ein silbernes Reliquienkreuz aus dem 15. Jahrh., einige interessante alte Majolikaschüsseln, mehrere Gemälde, Gläser, Gewehre, einen fränkischen Steinsarg und einen interessanten sculpirten Deckel eines solchen, ähnlich den am Jahdebusen ausgegrabenen. Die Sammlung der Gewebe und Stickereien ist im Laufe des Monats in einem neuen, eigens dafür erbauten Raum zur Ausstellung gekommen; ebenso wurde für die Oefen und Ofenkacheln eine besondere Abtheilung eingerichtet.

Wir haben im Anschlusse an das in voriger Nummer Mitgetheilte nunmehr zu melden, daß die kgl. preußische Regierung Herrn Professor Dr. Moriz Haupt, Sekretär der kgl. Akademie der Wissenschaften gesendet hat, um sich über unsere Anstalt zu informieren. Wir fanden dadurch die erwünschte Gelegenheit, nicht blos Manches zu erläutern und über die nächsten Absichten der Verwaltung Aufklärung zu geben, sondern auch über manche Punkte die Anschauungen der Gelehrtenkreise und der Regierung genauer kennen zu lernen, so daß wir uns der freudigen Hoffnung hingeben dürfen, dieser Besuch des Herrn Regierungscommissärs werde für unsere Anstalt erfreuliche Früchte tragen.

Leider haben wir zu melden, daß zwei verehrte und verdiente Mitglieder des Verwaltungsausschusses sich genöthigt glaubten, ihre Stelle niederzulegen, um frischeren, thätigeren Kräften Platz zu machen, da sie nicht in der Lage seien, so eifrig, als es ihnen wünschenswerth und für unsere Anstalt nöthig erscheine, für dieselbe zu wirken; nämlich: Se. Excellenz Herr Oberstkämmerer Graf Pocci in München und Herr k. k. Hofrath Ritter v. Bergmann in Wien. Es werden also, da wir in letzter Zeit, wie schon angezeigt, auch zwei Mitglieder durch den Tod verloren haben, nunmehr vier Neuwahlen demnächst vorzunehmen sein.

In Schriftenaustausch mit dem Museum sind in neuerer Zeit getreten: