88) Im Archiv des Kreisgerichts zu Marburg wurden verschiedene, seither unbekannt gewesene Briefe Luther’s und des Götz von Berlichingen, sowie einige Ablaßbriefe von 1517 aufgefunden.

(Frk. Kur. Nr. 245.)

89) Wie Herr J. Blahut in Prag dem german. Museum schreibt, befindet sich in seinem Besitze ein Planetolabium aus dem Nachlasse des dänischen Astronomen Tycho de Brahe, welches, seinem System gemäß eingerichtet, nicht allein von ihm, sondern auch von Kepler und dem Kaiser Rudolf II. benutzt worden sein soll. Bis zum Jahre 1852 auf der Prager Sternwarte verwahrt, wurde es sodann nebst andern Sachen veräußert und von dem gegenwärtigen Besitzer erstanden. Derselbe denkt, es jetzt wieder zu verkaufen und, sollte ihm in Deutschland kein annehmbarer Preis geboten werden, sich nach England zu wenden. Es wäre sicher wünschenswerth, daß eine so seltene Reliquie Deutschland erhalten bliebe.

90) Im herzoglichen Museum zu Braunschweig, und zwar im letzten, nordwärts stehenden Fensterschranke in der östlichen Galerie, befindet sich ein altes Altarlaken von ponceaurothem Seidendamast, in welches Figuren, die sich wiederholen: kniende, ein Rauchfaß schwingende Engel, Sonne, Halbmond, Löwe und Adler, sowie in Medaillenform der Heiland und die Jungfrau Maria, eingestickt sind. Diese jetzt ziemlich unscheinbare Altardecke war ursprünglich ein von Kaiser Otto IV. (von Braunschweig), Sohn Heinrich’s des Löwen, getragener Mantel. In seinem am 18. Mai 1218, also kurz vor seinem am 29. auf der Harzburg erfolgten Tode, errichteten letzten Willen hieß es: „Wir bitten dich, Bruder Pfalzgraf Heinrich, wenn Wir gestorben sind, das heilige Kreuz, die Lanze, die Krone und den Zahn von St. Johannes dem Täufer, sammt den übrigen Reichskleinodien (-reliquien?), mit Ausnahme Unsers Mantels, welcher an St. Aegidien zu geben ist (praeter pallium nostrum, quod dandum est ad Stum. Aegidien), noch zwanzig Wochen zu verwahren und Keinem zu überantworten, der nicht einmüthiglich zum Haupte des Reichs erkoren ist.“ Auf diese Weise kam der kaiserliche Mantel an das Aegidienkloster zu Braunschweig und wurde von den Mönchen in eine Altardecke umgewandelt. Nach der Reformation blieb er Jahre lang versteckt und unbemerkt mit andern Sachen in einer Kiste auf dem Boden des Collegium Carolinum verborgen liegen, bis er vor einigen Jahren aufgefunden und sein Kunst- und historischer Werth richtig gewürdigt wurde.

(Braunschw. Tagbl. Nr. 217.)

91) Bei der Abräumung eines Platzes auf dem Regensteine bei Blankenburg (Braunschweig) wurden verschiedene Alterthümer gefunden, namentlich eine eiserne Kanonenkugel, eine Streitaxt, eine sehr gut erhaltene Todtenurne und verschiedene Pfeilspitzen. Es hat sich herausgestellt, daß die Kanonenkugel aus dem Jahre 1757 von der Beschießung des Regensteins durch den französischen General d’Ayen herrührt.

(Dass. Nr. 237.)

92) Der Geh. Archivrath Dr. Lisch berichtet in den Meckl. Anz. über einen größern Fund aus dem Torfmoore von Holzendorf, Amts Sternberg. Dieser Fund besteht aus den Resten einer Gießstätte der Bronzezeit, unter welchen sich auch eine vollständige bronzene Gußform zu bronzenen Wurfgeschossen (framea oder Celt), die erste in den deutschen Ostseeländern entdeckte, mit den abgebrochenen Gußzapfen, findet, außerdem aber noch aus ungefähr 30 Stücken von theils noch nicht gefeilten gegossenen Alterthümern geringeren Werthes, theils von Bruchstücken zerbrochener bronzener Geräthe, welche offenbar zum Einschmelzen bestimmt gewesen sind.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 434.)

93) In dem Forste zwischen Beschine und Mönchmotschelnitz (Schlesien) sprengte man einen erratischen Block von enormer Größe. Unter demselben, in einer Tiefe von etwa 6 Fuß, fanden die Arbeiter einen Steinhammer von sehr schöner Arbeit. Derselbe ist von Serpentinstein, die Face bildet eine regelmäßige Ellipse, nur an einem Ende so weit abgeplattet, wie es der Gebrauch als Hammer bedingt; am entgegengesetzten Ende ist eine etwas lückige Schneide, in der Mitte ein vollkommen zirkelrundes, durchgehendes Loch; am dicksten Theile hat der Hammer in der Face wie im Profil zwei Zoll Durchmesser; der Diameter von der Schneide bis zum andern Ende beträgt sechs Zoll.