4) Wehrgänge an Kirchen kommen wol nur bei Kathedralen (Marienwerder, Königsberg, Frauenburg), welche wirklich zur Vertheidigung eingerichtet waren, und bei Schloßkirchen vor. Bei Pfarrkirchen habe ich sie nie gefunden. Letztere waren wol auch nie befestigt.

Die künstlerisch meist sehr bedeutenden und kunsthistorisch wichtigen Baudenkmale des Ordenslandes Preußen sind bisher noch viel zu wenig erforscht, in entsprechender Weise eigentlich nur von Fr. v. Quast und C. Schnaase, welcher, trotz der mangelnden Vorarbeiten, mit gewohnter Meisterschaft eine sehr vortreffliche, allgemeine Darstellung geliefert hat, gewürdigt worden. Es ist auf diesem Felde noch sehr viel zu thun. Es fehlt vor Allem an einer historisch-kritischen Untersuchung der einzelnen Monumente. Eine systematische Entdeckungsreise durch die Provinz Preußen würde noch manches treffliche Denkmal an’s Licht bringen, würde erst das Material herbeischaffen zu einer eingehenden Geschichte der Baukunst im Ordenslande Preußen. Möchte eine solche möglichst bald ausgeführt werden, bevor die stürmisch vorschreitende Neuzeit Alles zerstört hat! —

Danzig.

R. Bergau.


Eines altmarkgräflichen Hofapothekers Eid.

Die Apotheken Nürnbergs waren im Mittelalter weitberühmt. Die benachbarten Fürsten und der Adel auf dem Lande ließen sich ihre Arzneien häufig in Nürnberg zubereiten. Auch gab es hier immer eine ziemliche Anzahl bewährter Aerzte, die nicht selten an weit entfernte fürstliche Höfe gerufen wurden, um ihren ärztlichen Rath zu ertheilen. Die Markgrafen zu Brandenburg, welche abwechselnd zu Ansbach oder Cadolzburg residierten, schickten ihre Recepte in der Regel zu den Apothekern in Nürnberg. Einer derselben war gemeiniglich ihr Hofapotheker, den sie als solchen förmlich verpflichteten, wie nachstehende Eidesformel zeigt, die für den nürnbergischen Apotheker entworfen wurde, den Markgraf Albrecht Achilles im Jahre 1460 durch seinen Hofmeister verpflichten ließ:

„Item er soll geloben und schwören, meinem gnädigen Herrn und der Herrschaft getreu und gewer (aufmerksam, sorgsam) zuseyn, ihren Schaden zuwarnen, Frommen (Nutzen) zuwerben (fördern) und alles das zuthun, das einem getreuen Apotheker zustehet, und sonderlich warumb (um was) man ihm schreibt und verzeichnet schickt von der Herrschaft wegen, daß er dasselb alles und jeglichs getreulich zurichten, persönlich dabey seyn und machen soll, wie ihm das durch die geschwornen der Herrschaft Leibärzt[180] befohlen wurd, und anders Niemands darüber getrauen — daß er auch alle Arznei von frischem Materiale mach, und ob etliche veralteten, dieselben wiederumb nach dem Besten zuverneuen — daß er auch keinerlei Material anstatt eins andern gebe in Confect oder ander Arznei ohn Rath der Herrschaft geschworen Leibärzt, und alle gesammete Arznei mach nach Beschreibung (Vorschrift) der bewährten Lehrer darüber — und ob er Arznei mit Saphir, Hyacinthen, Perlen und anderm edeln Gestein[181] oder andern köstlichen Dingen zumachen beschieden wurd, daß er solichs nach dem allerbesten und fürderlichsten mach, darin nichts angesehen (gespart) — was er auch Arznei von der Herrschaft wegen herausschick, dieselben vor (vorher) zu kredenzen und mit seinem Petschaft zu verwahren — auch meins gnädigen Herrn und meiner gnädigen Frauen und der Herrschaft Geheim, was er der erführe, zuverschweigen bis in seinen Tode, alles getreulich und gänzlich sonder (ohne) Argliste und ohn Gefährde.“

Nürnberg.

J. Baader.